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    Fachmesse Call Center World 2016

    Messeauftakt: ver.di fordert bessere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte in Call Centern

    Berlin, 23. Februar 2016 – Zum Auftakt der diesjährigen Fachmesse Call Center World 2016 in Berlin fordert die Gewerkschaft ver.di für die rund 520.000 Beschäftigten der Branche eine bessere Bezahlung und wirkungsvolle Maßnahmen, um den Stress und die teilweise existierende Arbeitsüberlastung einzudämmen.

    Call-Center S-Direkt Foto: DPA Bildfunk Arbeitshetze, zu viele Projekte, zu wenig Personal – Alltag im Call Center


    „Das schlechte Image der Branche ist nicht verwunderlich. Aufgrund der stressigen Arbeitsbedingungen und der geringen Bezahlung haben wir hohe Fluktuationsraten im zweistelligen Bereich und tausende von offenen Stellen. Die qualifizierte und anspruchsvolle Tätigkeit in Call Centern wird immer noch zu schlecht bezahlt und es wird zu wenig für gute Arbeit getan“, sagte Ulrich Beiderwieden, bei ver.di für Call Center zuständig. 

    Beiderwieden verwies auf die Ergebnisse des aktuellen DGB-Indexes Gute Arbeit. Danach erleben 80 Prozent der Befragten tägliche Arbeitshetze, 65 Prozent sind mit zu vielen Vorgängen und Projekten beauftragt. 63 Prozent begründen diese Zustände mit zu knapper Personalbemessung, 61 Prozent mit zu vielen ungeplanten Zusatzaufgaben. All das sind Zustände, über die auch Beschäftigte der Call Center regelmäßig klagen.

    „Eine Branche, die wächst und sich als innovativ und dynamisch darstellt, muss dringend mehr tun, um als guter Arbeitgeber zu bestehen“

    Ulrich Beiderwieden, bei ver.di für Call Center zuständig

    Nur dank der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns verdienen viele Call-Center-Beschäftigte mittlerweile 8,50 Euro in der Stunde. Das sei aber immer noch zu wenig und der Mindestlohn müsse 2017 kräftig erhöht werden, forderte Beiderwieden. Parallel dazu „ist es Zeit, endlich branchenweite Tarifverträge abzuschließen. Eine Branche, die wächst und sich als innovativ und dynamisch darstellt, muss dringend mehr tun, um als guter Arbeitgeber zu bestehen“. Man warte nun aber schon Jahre auf die Gründung eines Arbeitgeberverbandes. 

    Unverständlich sei auch der Vorstoß der Arbeitgeber für eine generelle Aufhebung des Verbots der Sonn- und Feiertagsarbeit in Call Centern. „Die bereits existierenden Ausnahmeregelungen sind ausreichend. In der Branche arbeiten rund 70 Prozent Frauen, die oft schon heute einer Doppelbelastung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ausgesetzt sind. Sonntagsarbeit würde diese Situation noch verschärfen“, sagte Beiderwieden.

    Die Messe Call Center World findet vom 23. bis 25. Februar 2016 im ESTREL Convention Center, Sonnenallee 225, 12047 Berlin, statt. Der ver.di-Stand befindet sich in Halle 2 B 23. Am Donnerstag, 25. Februar, findet unter Beteiligung von ver.di eine Podiumsdiskussion im Rahmen der Messe ab 14.00 Uhr im Messeforum, Halle 2, unter dem Motto „Heiliger Sonntag?! Hat der Sonntag noch eine Zukunft im Call Center?“ statt.