Tarifnews

    Post bleibt weiter liegen

    Deutsche Post: ver.di warnt vor Zerschlagung des Zustellnetzes

    Berlin, 27. Mai 2015 | Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post AG warnt ver.di vor einer Zerschlagung des Zustellnetzes und mahnt Schutzregelungen für die Beschäftigten an. „Wir wollen keine Spaltung des Betriebes und keine Spaltung der Belegschaft. Und für uns alle ist nach dem Vertragsbruch durch den Aufbau der DHL Delivery GmbH klar: Ohne einen rechtssicheren Schutz vor der Fremdvergabe gibt es für die Beschäftigten der Deutschen Post AG keine Sicherheit“, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske am Mittwoch auf einer Kundgebung anlässlich der Aktionärshauptversammlung der Deutschen Post AG in Frankfurt/Main. Die Stärke der Deutschen Post sei ihr flächendeckendes, ganzheitliches Zustellnetz. Es mache keinen Sinn, ein funktionierendes Zustellnetz zu zerschneiden.

    Insgesamt protestierten in Frankfurt am Main rund 4.500 Beschäftigte gegen Vertragsbruch, Tarifflucht und Streikbrecher-Einsätze des Arbeitgebers. Gleichzeitig legten bundesweit weitere 7.000 Beschäftigte ihre Arbeit bei der Deutschen Post nieder. Betroffen sind die Brief- und Paketzustellung in allen Bundesländern sowie mehrere Callcenter. Die Streiks werden auch am morgigen Donnerstag fortgesetzt.

    Hintergrund des Tarifkonfliktes ist der Bruch des Vertrages zum Schutz vor Fremdvergabe durch die Deutsche Post AG und ihre Flucht aus dem bestehenden Haustarifvertrag. Mit dem Aufbau eines flächendeckenden Netzes für die Paketzustellung in den zu diesem Zweck zum Jahresanfang gegründeten 49 Regionalgesellschaften verstößt die Deutsche Post AG gegen den mit ver.di abgeschlossenen Schutzvertrag, wonach das Unternehmen bei der Zustellung von Briefen und Paketen maximal 990 Paketzustellbezirke an konzerninterne oder externe Unternehmen vergeben darf. Für diesen Schutz verzichten die Beschäftigten unter anderem auf Kurzpausen und arbeitsfreie Tage.

    Mit der Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung von 38,5 auf 36 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich soll dieser Vertragsbruch jetzt kompensiert werden. In der laufenden Entgeltrunde fordert ver.di 5,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Tarifverhandlungen werden am 1./2. Juni 2015 in Berlin fortgesetzt.

    Mitarbeiter der Deutschen Post AG Foto: Frank Rumpenhorst Deutsche Post: Bald Beschäftigte zweiter Klasse?