Tarifnews

    Flüchtlingshilfe unterstreicht Wert der sozialen Berufe

    Kommunen entlasten, soziale Berufe aufwerten

    Als völlig unverantwortlich und politisch gefährlich hat der ver.di-Vorsitzende, Frank Bsirske, Äußerungen des Hauptgeschäftsführers des Deutschen Städte- und Gemeindebundes sowie der Präsidentin des Städtetages zurückgewiesen. Gerd Landsberg und Eva Lohse hatten mit Blick auf die Tarifverhandlungen im Sozial- und Erziehungsdienst „Zugeständnisse“ an die Erzieherinnen und Sozialarbeiter „schon wegen der großen Flüchtlingsbelastung“ abgelehnt. „Es ist nicht akzeptabel, gerade die Kolleginnen und Kollegen, deren Arbeit mit den Flüchtlingen in den Kommunen dazu beiträgt, Menschen in akuter Not zu helfen und ihnen die ersten Schritte in einer neuen Umgebung zu erleichtern, moralisch so unter Druck zu setzen“, sagte Bsirske.

    „Der Zustrom der Flüchtlinge, die verantwortungsvolle Arbeit der Beschäftigten in der Flüchtlingshilfe und die gerade im Hinblick auf die Integration der vielen fremdsprachigen Kinder in den Kitas absehbar weiter steigenden Anforderungen an die Erzieherinnen sollten vielmehr Anlass sein, dem Stellenwert der sozialen Berufe in unserer Gesellschaft mehr Wertschätzung entgegen zu bringen“, so Bsirske. Die Kommunen forderten in dieser Situation zu Recht vom Bund finanzielle Unterstützung. „Die braucht es für die Flüchtlingshilfe wie für qualitative Verbesserungen in der frühkindlichen Bildung“, sagte der ver.di-Vorsitzende.

    Der Bund ist in der Pflicht

    Deshalb müsse der Bund jetzt auch zügig die Ankündigung von Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel umsetzen, die Kommunen mit einer Übernahme der Kosten für die Flüchtlingshilfe finanziell zu entlasten. Dies sei angesichts der dramatischen Situation, vor die viele Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Deutschland gestellt werden, nicht nur ein moralisches Gebot der Stunde, sondern ein konkreter Beitrag, die notwendigen Aufgaben der Kommunen verlässlich sicherzustellen.  Und der Bund müsse endlich auch – wie zugesagt – für die ohnehin notwendige finanzielle Entlastung der Kommunen sorgen. Die 900 Millionen Euro Betreuungsgeld, das für verfassungswidrig erklärt worden war, dürften nicht im allgemeinen Haushalt von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verschwinden. „Es ist richtig und sinnvoll, dass Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig das freigewordene Betreuungsgeld für Verbesserungen der Kindertageseinrichtungen verwenden will“, sagte Bsirske.

    „Wer eine gute und qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung erwartet, muss die Bedingungen in den Kindertageseinrichtungen verbessern. Dazu gehört auch die Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe, die Union und SPD in ihrer Koalitionsvereinbarung noch zum erklärten Ziel ihrer Politik erhoben haben. Nachdem der Betriebskostenzuschuss des Bundes für die kommunalen Kitas in den vergangenen 15 Jahren nicht mehr angehoben worden ist, bietet die Verfassungsgerichtsentscheidung zum Betreuungsgeld jetzt die Chance, den Worten Taten folgen zu lassen“, so Bsirske.

    Alltag in einer Kita – die Anforderungen steigen Foto: Uli Grohs Alltag in einer Kita – die Anforderungen steigen