Tarifnews

    104 Verstöße bei 21 Linien

    ver.di fordert Qualitätssiegel für Fernbusse

    Berlin, 18.09.2014 | „Der harte Preiskampf unter den Anbietern von Fernbusreisen hat sein erstes Opfer gefordert“, so ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. „Mit immer billigeren Angeboten wollen sich die Busbetreiber gegenseitig unterbieten. Das ist weder im Sinne der Beschäftigten noch der Kunden, und zuletzt schadet es auch den Betreibern selbst.“ Es überrasche nicht, dass sich jetzt das erste Unternehmen aus dem Geschäft zurückziehe, sagt die Gewerkschafterin. Hintergrund ist die Ankündigung von city2city, der Tochter des britischen National Express, sich vom hart umkämpften deutschen Fernbus-Markt schon Mitte Oktober dieses Jahres zurückzuziehen.

    „Der Wildwuchs in diesem Bereich muss durch die Einführung eines Qualitätssiegels für Fernbusfahrten beseitigt werden.“

    Christine Behle, ver.di-Bundesvorstandsmitglied

    Die harte Wettbewerbssituation im Fernbusverkehr führe zu einer ernsthaften Gefährdung der beschäftigten Busfahrer sowie der Fahrgäste und anderer Verkehrsteilnehmer, betont Christine Behle. Bei Kontrollen würden regelmäßig die Nichteinhaltung von Bestimmungen des Arbeitsschutzes, insbesondere der Lenk- und Ruhezeiten, sowie weiterer Sicherheitsbestimmungen festgestellt.

    ver.di verfolge diese Entwicklung im Fernbusverkehr bereits seit der Marktöffnung im Jahr 2013 mit Besorgnis, so Behle: „Wir haben festgestellt, dass die enorme Wettbewerbssituation häufig leider auch zu Lasten der Sicherheit geht.“ So seien bei einer Kontrolle der Polizei Hannover im März 2014 bei der Überprüfung von vier grenzüberschreitenden und 17 innerdeutschen Linien 104 Verstöße festgestellt worden, 99 davon bei den innerdeutschen Linien. Die Fahrer hätten Lenkzeiten überschritten, keine Pausen gemacht oder die erforderlichen Ruhezeiten nicht eingehalten. Bei einer weiteren Kontrolle im Mai diesen Jahres ergab die Überprüfung von 21 Fernbuslinien 31 Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten. Ein Fahrer habe statt der vorgeschriebenen 45 Stunden Wochenruhezeit nur 26 Stunden Ruhezeit gehabt. Diese Verstöße seien eine Folge des harten Drucks der Betreiber auf die Fernbuslinienfahrer.

    „Das muss ein Ende haben“, fordert Christine Behle. „Der Wildwuchs in diesem Bereich muss durch die Einführung eines Qualitätssiegels für Fernbusfahrten beseitigt werden.“ Neben einer Sicherheitsgarantie im technischen Sinne müsse dieses Siegel auch eine Garantie für die Einhaltung von sozialen Standards sowie einer angemessenen Bezahlung für das Fahrpersonal sein.