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    Rasanter Anstieg sachgrundloser Befristungen

    Studie: Befristungen im öffentlichen Dienst sind ein Problem für Beschäftigte und das Gemeinwesen

    Berlin, 5. Januar 2016 – Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind Befristungen im öffentlichen Dienst kontinuierlich angestiegen. Mit einem Befristungsanteil von 7,1 Prozent im Jahr 2014 lag der öffentliche Dienst (ohne Beschäftigte in der Wissenschaft) über dem Durchschnitt in der Gesamtwirtschaft. Allein im Wissenschaftsbereich haben die Befristungen im Untersuchungszeitraum von 25,7 Prozent im Jahr 2004 über 31,7 Prozent in 2010 auf 37 Prozent im Jahr 2014 zugenommen. ver.di sieht in der Befristungspraxis öffentlicher Arbeitgeber ein Problem nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes. „Wenn rund 60 Prozent der Einstellungen im öffentlichen Dienst nur befristet erfolgen, gegenüber rund 40 Prozent in der Privatwirtschaft, zeugt das nicht von der Attraktivität des Arbeitgebers öffentlicher Dienst“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Wolfgang Pieper. Die Beauftragung der Studie war in der Tarifrunde 2014 zwischen den Gewerkschaften und dem Bund vereinbart worden, die Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht.   

    „Mit befristeten Jobs und einer Bezahlung, die der in der Privatwirtschaft immer noch hinterher hinkt, gewinnt man keine engagierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.“

    Wolfgang Pieper, ver.di-Bundesvorstandsmitglied

    Gerade weil Neueinstellungen überwiegend befristet erfolgen, ist der Anteil an Befristungen gegenüber 2004 insgesamt spürbar gestiegen. Klammert man die Beamtinnen und Beamten bei der Betrachtung aus, lag der Befristungsanteil im öffentlichen Dienst 2014 bei 9,3 Prozent, für junge Beschäftigte unter 35 Jahren sogar bei über 20 Prozent. Besonders problematisch ist dabei der rasante Anstieg sachgrundloser Befristungen. Machten diese 2004 noch 17,5 Prozent aller Befristungen aus, waren es 2013 bereits 35,7 Prozent. „Ersatzbedarf ist dabei in weniger als der Hälfte der Fälle der Grund für die Befristung. Oft liegt es an fehlenden Finanzmitteln“, so Pieper im Bezug auf die Studie.

    Thema in der Tarifrunde 2016

    Gerade aktuell bei der Aufnahme und Integration von Geflüchteten zeige sich, wie wichtig qualifiziertes und motiviertes Personal für die Erledigung öffentlicher Aufgaben sei. „Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit des öffentlichen Dienstes sind gute Arbeitsbedingungen und Perspektiven für die Beschäftigten. Mit befristeten Jobs und einer Bezahlung, die der in der Privatwirtschaft immer noch hinterher hinkt, gewinnt man keine engagierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. In der Tarifrunde 2016 wird ver.di die Befristungen thematisieren und auf eine nachhaltige Änderung der bestehenden Befristungspraxis drängen“, sagte Pieper. Die Arbeitgeber von Bund, Länder und Gemeinden seien schon jetzt aufgefordert, die anstehenden Neueinstellungen im Bereich der Aufnahme und Integration von Geflüchteten unbefristet vorzunehmen.

    Befristungen im öffentlichen Dienst belasten vor allem die Beschäftigten Foto: Seeger/DPA Bildfunk Befristungen im öffentlichen Dienst belasten vor allem die Beschäftigten