Tarifnews

    Von wegen billige Hilfskräfte

    Studentische Beschäftigte in Berlin kündigen Streiks für Tarifvertrag an

    Berlin, 18. Dezember 2017 | Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und ver.di haben die Tarifverhandlungen für die rund 8.000 studentischen Beschäftigten der Berliner Hochschulen im Anschluss an die fünfte Verhandlungsrunde für gescheitert erklärt. Nach der Kündigung des aktuellen Tarifvertrages (TV Stud) zum Jahresende hatte die gewerkschaftliche Tarifkommission einen weiteren Verhandlungstermin am 11. Dezember angenommen, um noch einmal zu versuchen, mit den Hochschulen zu einer Einigung zu kommen. Das ist nicht gelungen. Jetzt drohen Streiks der studentischen Beschäftigten. Eine erste Demonstration zusammen mit Unterstützer/innen fand am 16. Dezember statt. Der Demonstrationszug startete am Berliner Ostbahnhof und endete am Bebelplatz gegenüber der Humboldt-Universität.

    Das Geld für eine bessere Bezahlung ist da – studentische Beschäftigte der Berliner Hochschulen demonstrierten am 16. Dezember 2017 und drohen mit Streiks Foto: Christian Mang Das Geld für eine bessere Bezahlung ist da – studentische Beschäftigte der Berliner Hochschulen demonstrierten am 16. Dezember 2017 und drohen jetzt mit Streiks

    „Die Verantwortung für das Scheitern der Verhandlungen tragen die Hochschulen“, sagte der Verhandlungsführer für die GEW Berlin, Udo Mertens. „Die Arbeitgeber waren nicht bereit, ihr bisheriges Angebot wesentlich zu verbessern. Damit wären die studentischen Beschäftigten weiterhin auf Dauer von der Lohnentwicklung der anderen Hochschulbeschäftigten abgekoppelt. Beschäftigte zweiter Klasse sind mit uns aber nicht zu machen.“

    Matthias Neis, der die Verhandlungen für ver.di führt, kritisierte, dass die Hochschulen trotz erheblich steigender finanzieller Zuschüsse die studentischen Beschäftigten weiter als billige Hilfskräfte behandeln wollen: „In den ab 2018 geltenden Hochschulverträgen sind Tarifsteigerungen für die studentischen Beschäftigten eingeplant, und zwar 3,9 Prozent für 2018 und jeweils 2,6 Prozent in den Folgejahren. Das Geld ist da und muss bei den studentischen Beschäftigten ankommen.“ Den Beweis liefere die Technische Universität Berlin, die ab dem 1. Januar 2018 einseitig 12,50 Euro pro Stunde zahlen will. „Wir brauchen aber weiterhin eine verlässliche, tarifliche Lösung. Wenn wir dafür streiken müssen, werden wir das tun“, sagte Neis.

    Angebot der Arbeitgeber nicht annehmbar

    Seit April dieses Jahres wurde mit den Berliner Hochschulen unter Federführung des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Berlin (KAV) verhandelt. Das letzte Angebot der Arbeitgeber sah eine Anhebung des Stundensatzes von 10,98 Euro auf 12,13 Euro zum 1. Januar 2018, auf 12,35 Euro zum 1. Januar 2020 und 12,50 Euro zum 1. Januar 2022 vor, ohne Anbindung an die weitere Lohnentwicklung der anderen Hochschulbeschäftigten und ohne Weihnachtsgeld.