Nachrichten

    „Eine XXXL-Sauerei“

    99 Beschäftigte bei XXXL-Mann Mobilia einfach vor die Tür gesetzt

    Mannheim, 3. Februar 2016 | Mann Mobilia, zugehörig zur XXXL Unternehmensgruppe Deutschland, hat 99 Beschäftigte aus der Verwaltung des Zentrallagers ohne jegliche Begründung vor die Tür gesetzt. Die Beschäftigten wurden von der Arbeit „freigestellt“ und mit Sicherheitskräften am Aufsuchen ihrer Arbeitsplätze gehindert.

    XXXL-Mann Mobilia in Mannheim, ist das der Dank für 32 Jahre Treue? Foto: Markus Proßwitz XXXL-Mann Mobilia in Mannheim, ist das der Dank für 32 Jahre Treue?


    Der 1. Februar 2016 sollte ein ganz normaler Arbeitstag werden, niemand hatte etwas geahnt. Doch vor dem Verwaltungseingang standen drei Sicherheitskräfte, ließen die Beschäftigten nicht rein. Stattdessen bekamen sie namentlich gekennzeichnete Briefumschläge in die Hand gedrückt. Die Nachricht darin hätte nicht härter sein können: „… hiermit werden Sie ab 01.02.2016 bis auf weiteres widerruflich von der Verpflichtung der Arbeitsleistung freigestellt.“

    Sicherheitsleute ließen die Beschäftigten nicht wieder ins Gebäude Foto: Markus Proßwitz Sicherheitsleute ließen die Beschäftigten nicht wieder ins Gebäude


    Es sind Tränen geflossen, erzählt ver.di-Sekretär Stephan Weis-Will. „Die Freistellung traf die Beschäftigten wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sie waren völlig ahnungslos.“ Mancher hatte schon 30 Jahre bei dem alteingesessenen Möbelhaus Mann Mobilia gearbeitet, hatte dort sogar seine Lehre gemacht. Die meisten sind über zehn Jahre dabei. 80 Prozent der Belegschaft sind Frauen.

    ver.di und der Betriebsrat sehen im Vorgehen des Unternehmens einen massiven Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz und die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates. Sie fordern die sofortige Rücknahme der ausgesprochenen Freistellungen und werden zusammen mit den Beschäftigten für die Arbeitsplätze am Standort Mannheim kämpfen. „Niemand weiß wie lange die Bezüge noch gezahlt werden, jeder rechnet damit, dass ein Kündigungsschreiben noch hinterherkommt“, fasst Weis-Will die Hauptsorge der Beschäftigten zusammen. ver.di will nun eine einstweilige Verfügung erwirken, damit die Freistellung zurückgenommen wird. Eine Kündigung ist aus ver.di-Sicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, denn es gibt eine Standortsicherungsbetriebsvereinbarung, die noch bis zum 31. November 2016 läuft.

    „Ist das der Dank für 32 Jahre Treue?“

    Die freigestellten Beschäftigten haben sich einen Tag später, am Dienstag, 2. Februar, im Gewerkschaftshaus in Mannheim getroffen. „Ihre Wut und Empörung über die dreiste und gesetzeswidrige Vorgehensweise sind übergroß. Etliche waren in großer Sorge um ihre Existenz“, sagt Stephan Weis-Will. Im Gespräch mit den Beschäftigten stellte sich heraus, dass bereits einen Tag später die Geschäftsleitung bei XXXL in Mannheim erwartet wurde. Beschäftigte und Betriebsräte beschlossen, diese Chance zu nutzen, um mit ihnen zu reden. Ab 6 Uhr standen sie am Mittwoch, 3. Februar, vor dem Gebäude, hatten sich Schilder um den Hals gehängt oder mitgeführt – auf denen stand „Mensch“, „Ist das der Dank für 32 Jahre Treue?“ und „Das ist eine XXXL-Sauerei!“ Der Eigentümer zeigte sich nicht gesprächsbereit, er hätte die nächsten drei Wochen keine Zeit. Mit diesen Worten wurden die Beschäftigten ohne Gespräche abgeschmettert, erzählt Weis-Will.

    ver.di ist für die Beschäftigten da. „Wir werden mit ihnen und dem Betriebsrat für die Arbeitsplätze am Standort Mannheim mit allen möglichen rechtlichen, aber auch gewerkschaftlichen Mitteln kämpfen“, sagt der Gewerkschaftssekretär. ver.di fordert XXXL-Lutz auf, umgehend zu rechtstreuem Verhalten zurückzukehren.

    Scharfe Kritik richtete inzwischen auch Arbeitsministerin Katrin Altpeter an die Geschäftsführung von XXXL in Mannheim. Die Mitarbeiter ohne jede Ankündigung einfach auszusperren, sei Ausdruck „frühkapitalistischer Herrschaftsmanier“. Die Beschäftigten wie ausrangierte Möbelstücke auf die Straße zu werfen, sei zutiefst unmenschlich und verabscheuungswürdig. Altpeter äußerte volles Verständnis für den Protest von Beschäftigten und ver.di; sie unterstütze dies aus voller Überzeugung und tiefstem Herzen.

    Eine ganz ähnliche Vorgehensweise wie in Mannheim wendete das Unternehmen XXXLutz bereits im Oktober 2013 bei der Schließung einer Filiale in München, Theresienhöhe, an: 160 Mitarbeitern wurde ohne Vorankündigung und mit sofortiger Wirkung der Zugang zu ihrem Arbeitsplatz verweigert.

    Protestbriefe an diese Adresse

    ver.di empfiehlt Protestbriefe als Unterstützung zu schreiben – an den Eigentümer, Dr. Richard Seifert, und an die  Geschäftsleitung für Deutschland, Alois Kobler. In dem Brief als Kunde protestieren! Adresse: BDSK Handels GmbH & Co. KG, Mergentheimerstr. 59, 97084 Würzburg, Deutschland. Oder E-Mail: info@xxxlmoebelhaeuser.de.

    XXXL-Mann Mobilia in Mannheim stellte 99 Beschäftigte vor die Tür Foto: Markus Proßwitz XXXL-Mann Mobilia in Mannheim stellte 99 Beschäftigte vor die Tür