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    Tarifverträge wichtiges Instrument gegen Altersarmut

    Equal Pay Day: Frauen fordern Löhne und Renten, die zum Leben reichen

    Berlin, 17. März 2017 | Immer noch klafft zwischen den Gehältern von Frauen und Männern eine Lücke von rund 21 Prozent. Bei Rentnerinnen und Rentnern hat sie sich bereits auf eine Lücke von rund 57 Prozent ausgewachsen. „Das ist ein Skandal und muss sich ändern“, sagt ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger anlässlich des Equal Pay Days am 18. März 2017. Der Equal Pay Day symbolisiert den Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um rechnerisch auf das durchschnittliche Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. „Wir brauchen mehr Geschlechtergerechtigkeit. Es ist einfach absurd, dass Frauen im Jahr 2017 auf dem Arbeitsmarkt immer noch schlechtere Bedingungen haben als Männer“, so Nutzenberger.

    Wichtige Dienstleistungsberufe, in denen vor allem Frauen beschäftigt sind, wie etwa im Handel, in der Pflege sowie in Erziehung und Bildung, müssten endlich aufgewertet werden. Es brauche existenzsichernde, gleiche Einkommen für gleichwertige Arbeit und bessere Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen. Prekäre Arbeitsformen wie Minijobs oder unfreiwillige Teilzeit, die vielfach Frauen treffen, müssten zurückgedrängt werden. Um die Einkommenssituation grundsätzlich zu verbessern, sei zudem eine höhere Tarifbindung unerlässlich. Allgemeinverbindliche „Tarifverträge sind ein wichtiges Instrument gegen Altersarmut“, sagt Nutzenberger.

    Altersarmut ist weiblich

    Viele Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger und sind auf niedrigeren Stufen der Karriereleiter als ihre männlichen Kollegen. Frauen leisten zugleich im Schnitt jeden Tag rund anderthalb Stunden mehr sogenannte unbezahlte Sorgearbeit (Erziehung von Kindern, Pflege von Angehörigen) als Männer. Das habe gravierende Auswirkungen sowohl auf die eigenständige Existenzsicherung als auch auf eine Absicherung im Alter. „Altersarmut hat ein Gesicht und das ist weiblich“, so Nutzenberger. Das sagt auch Doro Zinke, die Vorsitzende vom Deutschen Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg. Von niedrigen Renten sind in der Region vor allem Frauen betroffen. 43 Prozent der Rentnerinnen in Berlin (West) bekommen weniger als 750 Euro Rente im Monat, in Berlin (Ost) betrifft das rund 26 Prozent der Frauen, in Brandenburg 33 Prozent.

    „Wir brauchen nicht nur einen Kurswechsel auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch in der Rentenpolitik“, sagt Nutzenberger. Das gesetzliche Rentenniveau müsse stabilisiert und langfristig erhöht werden. Auch die rentenrechtliche Absicherung bei der Pflege müsse deutlich verbessert werden und für die Erziehung aller Kinder unabhängig vom Geburtsjahr gelten. Diese wertvollen Leistungen für die Allgemeinheit müssten aus Steuermitteln finanziert werden, fordert Nutzenberger.

    ver.di-Frauen fordern: Rente rauf!