Tarifnews

    „Damit Fliegen sicher bleibt“

    Protestaktionen von Flughafenbeschäftigten an deutschen und internationalen Flughäfen

    Berlin, 30.Mai 2016 | Gemeinsam mit anderen internationalen Gewerkschaften ruft ver.di am Mittwoch, dem 1. Juni 2016, zu Protestaktionen an Flughäfen auf, um auf die extreme Belastung der Beschäftigten in den Bodenverkehrsdiensten aufmerksam zu machen und sich für existenzsichernde Arbeitsverhältnisse in der Branche einzusetzen. Bei ver.di organisierte Beschäftigte in den Bodenverkehrsdiensten werden sich an neun deutschen Flughäfen an der Protestaktion beteiligen. Am gleichen Tag gibt es Aktionen an Flughäfen in Australien, Irland, den Niederlanden, Schweden und den USA.

    „Geringer Gesundheitsschutz, starke Belastungen, sehr unterschiedliche Entlohnungen bei gleichen Tätigkeiten und kurze Einarbeitungszeiten führen dazu, dass die Beschäftigten einem immer stärker werdenden Druck ausgesetzt sind.

    Christine Behle, ver.di-Bundesvorstandsmitglied

    „Die Arbeitsbe- dingungen im Boden- verkehrsdienst haben sich in den letzten zehn Jahren durch Ausgründungen, Absenkungen, Spaltungen und Unterbietungs- wettbewerbe dramatisch verschlechtert“, sagt ver.di-Bundesvor- standsmitglied Christine Behle. „Geringer Gesundheitsschutz, starke Belastungen, sehr unterschiedliche Entlohnungen bei gleichen Tätigkeiten und kurze Einarbeitungszeiten führen dazu, dass die Beschäftigten einem immer stärker werdenden Druck ausgesetzt sind.“ Um sie zu schützen und damit auch die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten, sei ein Tarifvertrag für alle Beschäftigten im Bodenverkehrsdienst an allen Flughäfen und in allen Unternehmen vonnöten, so Behle.

    Behle weist darauf hin, dass ver.di im vergangenen Jahr eine Umfrage (www.verdi-airport.de/465) unter rund 18.000 Beschäftigten durchgeführt habe, in der 83 Prozent der Befragten beklagten, dass die Arbeit in den Bodenverkehrsdiensten nicht existenzsichernd sei. 72 Prozent gaben an, dass Sicherheits- und Qualitätsvorgaben aufgrund des Arbeitsdrucks oft nicht eingehalten werden können und nur sieben Prozent der Befragten konnten sich vorstellen, unter den gegebenen Bedingungen bis zum Rentenalter ihren Beruf ausüben zu können. ver.di habe daher entschieden, gemeinsame Standards für Qualifikation, Sicherheit und Gesundheit per Tarifvertrag anzustreben.

    Diese Forderungen würden durch den von der Internationalen Transportarbeiter-Förderation (ITF) erstellten Recherchebericht „Rekordgewinne für Airlines – Flughafenbeschäftigte unter Druck“ (www.verdi-airport.de/473) untermauert. Der Bericht zeige, dass die weltweiten Luftfahrtunternehmen trotz zu erwartender Rekordgewinne in Höhe von insgesamt 36,3 Milliarden US-Dollar einen beispiellosen Abwärtswettlauf der Arbeitsbedingungen an den Flughäfen in Gang gesetzt hätten.

    „Dieser Abwärtswettlauf wird von Kostensenkungsmaßnahmen in Gang gesetzt, die Luftfahrtunternehmen haben es in der Hand, ihn zu stoppen und ein nachhaltiges Beschäftigungsmodell umzusetzen, mit dem eine qualifizierte und erfahrene Belegschaft aufrechterhalten wird“, so Behle. Aus diesem Grund hätten sich Gewerkschaften in aller Welt unter dem Banner „Airports United“ zusammengeschlossen und die Aktion geplant. Unterstützt werden sie von der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) und UNI Global, dem internationalen Dachverband der Dienstleistungsgewerkschaften. ver.di hatte in Deutschland bereits im vergangenen Jahr die Kampagne „Damit Fliegen sicher bleibt“ gestartet.

    Damit Fliegen sicher bleibt Grafik: ver.di Damit Fliegen sicher bleibt