Tarifnews

    Beschäftigte kämpfen weiter für einen Tarifvertrag

    Streiks bei Amazon jetzt auch für gesunde Arbeit

    Berlin, 20. Juni 2016 | Der Druck auf Amazon wird weiter erhöht. Beschäftigte in den Versandzentren Bad Hersfeld, Rheinberg und Werne haben am heutigen Montag die Arbeit niedergelegt um ihre Forderung nach einem Tarifvertrag erneut zu untermauern. Der Arbeitskampf soll voraussichtlich bis Dienstagabend gehen. ver.di ruft in dieser Woche zu weiteren kurzfristig angekündigten Streiks an unterschiedlichen Standorten des Unternehmens auf. Sie sollen den Geschäftsablauf von Amazon empfindlich stören, sagt Stefanie Nutzenberger vom ver.di-Bundesvorstand.

    „Die Beschäftigten bei Amazon fordern einen Tarifvertrag, um existenzsichernde Löhne und gute Arbeitsbedingungen garantiert abzusichern. Sie verlangen, dass Amazon endlich seine Blockadehaltung aufgibt und mit der Gewerkschaft verhandelt, statt willkürlich die Arbeitsbedingungen zu diktieren“, so Nutzenberger. Amazon verweigert die Aufnahme von Tarifverhandlungen und die Anwendung des branchenüblichen Tarifvertrags für den Einzel- und Versandhandel. Allerdings haben zahlreiche Streiks seit 2013 schrittweise zu Lohn- und Gehaltserhöhungen geführt.

    Aufklärung über richtige Ernährung reicht nicht

    Eine jüngere Umfrage unter den Beschäftigten des Versandhändlers verdeutlicht die hohe Belastung der Arbeitnehmer/innen bei Amazon. Es existiert eine überdurchschnittlich hohe Krankenquote. Die Beschäftigten klagen über zu kurze Pausen, ständig anziehende Leistungsvorgaben, schlecht abgestimmte und auslaugende Schichteinteilungen sowie eine hohe körperliche Belastung. Zudem würden Arbeitsmittel fehlen und Vorgesetzte die Mitarbeiter/innen respektlos behandeln. Amazon hat auf die Vorwürfe nach eigenen Angaben mit kostenlosen Grippeimpfungen und Aufklärung über richtige Ernährung und Gesundheitsrisiken reagiert. ver.di kritisiert dieses Vorgehen als unzureichend. „Die Beschäftigten haben einen Anspruch auf gute und gesunde Arbeitsbedingungen. Deswegen haben wir Amazon zu einem Gespräch über dieses Thema aufgefordert. Das Angebot hat das Unternehmen zurückgewiesen. Das alles zeugt von großer Ignoranz gegenüber den eigentlichen Problemen“, so Nutzenberger.