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    Vertrauen in MINT-Kompetenzen stärken

    Nichtakademische MINT-Berufe: Chance für Frauen

    16. April 2015 | In den letzten Jahren hat es bereits zahlreiche Initiativen gegeben, um mehr Frauen für MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu begeistern. Der Schwerpunkt lag aber auf MINT-Berufen im akademischen Bereich. Ein Fehler, wie sich nun anhand einer DGB-Studie zeigt. Mehr als 80 Prozent der MINT-Beschäftigten haben einen Arbeitsplatz ohne akademischen Abschluss. Gerade aber hier sind Frauen mit nur 14 Prozent Anteil besonders unterrepräsentiert. Bei den Auszubildenden sind es sogar nur 11,8 Prozent. Bei der Vorstellung der DGB-Studie zur Arbeitsmarktlage und der Studie zu den Arbeitsbedingungen von Frauen im MINT-Bereich sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach: „Offensichtlich waren die Bemühungen bislang zu einseitig auf Akademikerinnen ausgerichtet.“

    DGB-Studie zur Arbeitsmarktsituation

    Die gute Nachricht ist, dass der MINT-Arbeitsmarkt auch für Fachkräfte ohne Abschluss gute Chancen bietet. Der hohe Fachkräftebedarf in vielen dieser Berufe führt zu Beschäftigungswachstum und einer relativ niedrigen Arbeitslosenquote bei MINT-Fachkräften von nur 4,5 Prozent. Insgesamt sind Frauen in nichtakademischen MINT-Berufen sogar seltener arbeitslos als ihre männlichen Kollegen. Jedoch werden zu wenig Frauen in MINT-Berufen ausgebildet, ihre Chancen bleiben verschenkt. So beträgt der Frauenanteil bei den betrieblichen MINT-Auszubildenden nur etwas über zehn Prozent. Der Ausbildungsmarkt hält folglich nicht mit der positiven Beschäftigungsentwicklung in den MINT-Berufen Schritt. „Damit versagt der Ausbildungsmarkt genau dort, wo der Einfluss auf die zukünftige Fachkräftestruktur am größten ist“, sagte Buntenbach. „Hier muss dringend gehandelt werden. Sonst verschärft sich die Geschlechtertrennung am Arbeitsmarkt weiter und die geschlechterspezifische Berufswahl wird sich verhärten – mit negativen Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft.“

    Sonderauswertung DGB-Index „Gute Arbeit“ zu den Arbeitsbedingungen

    Nicht nur die Chance auf einen Arbeitsplatz ist bei nichtakademischen MINT-Berufen hoch, auch die Arbeitsbedingungen sind für Frauen im Vergleich zu anderen Berufen oftmals positiver. Das zeigt die zweite Studie, die Sonderauswertung des DGB-Index „Gute Arbeit“. Weibliche Beschäftigte können häufiger ihre Arbeitszeitlage mitgestalten und müssen weniger Überstunden und unbezahlte Mehrarbeit leisten. Gerade gut geregelte Arbeitszeiten sind für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders wichtig. Allerdings verdienen Frauen noch immer meist schlechter als ihre männlichen Kollegen und sie haben weniger Aufstiegschancen. „Dennoch bleibt festzustellen: Im Vergleich zu anderen nichtakademischen Berufen bieten MINT-Berufe Frauen etwas bessere Arbeitszeiten. Umso mehr ein Grund mit breiter gesellschaftlicher Initiative für mehr Frauen in nichtakademischen MINT-Berufen zu werben und sie entsprechend zu fördern.“

    Gleichstellung Foto: Imo/Photothek.net Gleichstellung

    Buntenbach stellte eine Zehn-Punkte-Strategie des DGB vor, um das Interesse von Mädchen an MINT-Berufen zu fördern. Schon in der Schule müsse das Interesse von Mädchen und jungen Frauen an diesen Berufen mehr gefördert und das Selbstvertrauen in die eigenen MINT-Kompetenzen gestärkt werden. Dazu gehöre auch der Ausbau einer umfassenden Berufsorientierung. „Seit gestern gibt es mit dem Kabinettsbeschluss zum Bildungsbericht die Hoffnung, dass es an dieser Stelle weiter voran geht“, sagte Buntenbach. Es sei wichtig, dass die Berufsorientierung frei von Rollenzuschreibungen erfolge. Weiterhin sei es wichtig, regionale MINT-Netzwerke zwischen Schulen und Betrieben auszubauen, denn es sei erwiesen, dass eine längere begleitete Praxisphase im Betrieb entscheidend für den Berufswunsch sei. Die Herstellung von Chancengleichheit für beide Geschlechter müsste in den Fokus aller Akteure rücken.