Tarifnews

    Nahles fordert Pakt für anständige Löhne

    2.000 Handelsbeschäftigte demonstrierten für allgemeinverbindliche Tarifverträge

    11. September 2017 |  Über 2.000 Beschäftigte der Handelsbranche haben am 9. September in Düsseldorf für allgemeinverbindliche Tarifverträge demonstriert. Unterstützung bekamen sie von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Die Ministerin versprach, alles zu tun, um die flächendeckende Tarifbindung zu stärken.

    Tarifvrhandlungen Handel 2013 Caroline Seidel/DPA Ein Herz für Tarife

    Seit im Jahr 2000 die Handelsverbände eine Mitgliedschaft „ohne Tarifbindung“ eingeführt haben und danach den Konsens mit den Gewerkschaften über allgemeinverbindliche Tarifverträge aufkündigten, ist die Tariflosigkeit auf einen Höchststand geschnellt. Nur noch 30 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel und 21 Prozent im Groß- und Außenhandel genießen den Schutz eines tarifgebundenen Unternehmens. Für die große Mehrheit der Beschäftigten bedeutet die Tarifflucht niedrigere Löhne und schlechtere Arbeitsbedingungen.

    Für eine Politik gegen Lohndrückerei

    Die Kundgebung war als klares Signal an Arbeitgeber und Politik gedacht, die Tarifbindung in der neuen Legislaturperiode nach der Bundestagswahl zu stärken, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske. „Die künftigen Koalitionspartner werden sich daran messen lassen müssen, ob sie die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegenüber Unternehmen, die Lohndrückerei betreiben, stärken“, sagte Bsirske. Bei einem Umsatzplus von zwei Prozent im Jahr 2017 beschäftige der Handel in weiten Teilen Frauen in Minijobs und Teilzeit und zahle dabei prekäre Löhne. Tarifflucht dürfe sich nicht länger lohnen. Die Beschäftigten erwarten zurecht faire Löhne, die tariflich abgesichert sind.

    „Ich setze alles daran, die Tarifpartnerschaft zu stärken und eine flächendeckende Tarifbindung zu erreichen"

    Andrea Nahles, Bundesarbeitsministerin

    Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles kündigte an, sie setze alles daran, die Tarifpartnerschaft zu stärken und eine flächendeckende Tarifbindung zu erreichen. Die Arbeitgeber rief sie dazu auf, sich Allgemeinverbindlicherklärungen von Tarifverträgen nicht systematisch in den Weg zu stellen. Denn faire Bedingungen nutzen auch den Einzelhändlern. „Wir müssen die Regeln für die Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen so weiterentwickeln, dass sie öfter und leichter anwendbar sind. Um diese Fragen gemeinsam zu besprechen, brauchen wir in Deutschland einen Pakt für anständige Löhne", sagte die Ministerin.

    Armutslöhne machen Armutsrenten

    Das für Handel zuständige ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger betonte, dass die dramatische Tarifflucht im Handel zu Armutslöhnen und späteren Armutsrenten führe. „Die Unternehmen haben sich systematisch aus ihrer Verantwortung gestohlen, zulasten der Beschäftigten und ihrer Familien, aber auch der ganzen Gesellschaft, die dieses Geschäftsmodell im Einzelhandel allein 2015 mit 1,4 Milliarden Euro Steuergeldern subventioniert hat".

    • Weitere Informationen zur Kampagne für allgemeinverbindliche Tarifverträge: AVE