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    Filialschließungen und Personalabbau

    ver.di kritisiert Umgang mit Beschäftigten bei Textilmodekette Zara

    15. Februar 2016 | Beschäftigte verunsichern und keine adäquaten Ersatzarbeitsplätze anbieten, um langjährige Mitarbeiter loszuwerden und so Kosten zu sparen – das scheint aktuell das Motto bei der Textilmodekette Zara zu sein. Bundesweit plant Zara derzeit fünf Filialschließungen (zwei in Köln, eine in Berlin, eine in Hamburg sowie eine Chemnitz). Betroffen davon sind insgesamt rund 180 Beschäftigte. In Köln soll in der Schildergasse Mitte Mai die größte Zara-Filiale Deutschlands entstehen, während zwei andere Filialen in der Stadt (Hohe Straße und Ehrenstraße) schließen. In der Filiale in der Hohe Straße arbeiten rund 55 Beschäftigte, 38 davon unbefristet und seit vielen Jahren.

    „Zara will diese Beschäftigten offensichtlich loswerden, um Personalkosten zu sparen.“

    Cosimo-Damiano Quinto, ver.di-Gewerkschaftssekretär

    „Zara will diese Beschäftigten offensichtlich loswerden, um Personalkosten zu sparen. Langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Mütter, sollen trotz ihrer Bereitschaft, in der neuen Filiale in der Schildergasse anzufangen, dort keinen gleichwertigen Arbeitsplatz erhalten. Stattdessen bietet man ihnen unzulängliche Abfindungen oder Arbeitsplätze an, die weit entfernt sind, und noch dazu Verträge mit reduzierter Stundenzahl. Dahinter steckt das Kalkül, Personalkosten zu drücken, in dem man langjährige, erfahrene Beschäftigte mit besseren Verträgen oder scheinbar unbequeme Beschäftigte faktisch vor die Tür setzt“, sagte Cosimo-Damiano Quinto, ver.di-Gewerkschaftssekretär.  Er kritisierte, dass Zara in der neuen Filiale in Köln keinen einzigen Vollzeitarbeitsplatz mehr anbietet. Den Beschäftigten der Hamburger Filiale in Altona werden bisher gar keine Ersatzarbeitsplätze angeboten, obwohl Zara für andere Filialen im Hamburger Stadtgebiet Personal sucht.

    ver.di fordert Zara auf, allen Beschäftigten adäquate Ersatzarbeitsplätze anzubieten, die keine Verschlechterungen beinhalten. „Die Beschäftigten sorgen dafür, dass Zara-Besitzer Amancio Ortega mit mittlerweile geschätzt rund 63 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Männern der Welt gehört. Als Dank will Zara nun die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte in Deutschland verschlechtern. Teilzeit-Stundenlöhnertum ist im Textilhandel schon viel zu sehr verbreitet. Unternehmerische Verantwortung bedeutet, Arbeitsplätze zu schaffen, von denen Menschen leben können und die einen Rentenanspruch über der Armutsgrenze sicher stellen“, sagte Quinto.

    Zara-Filiale in Düsseldorf Roland Weihrauch/DPA

    In Kürze:

    • Die Kölner Filiale Hohe Straße soll zum 31. Juli 2016 geschlossen werden. Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan laufen. In der Filiale arbeiten rund 55 Beschäftigte.
    • Für die Kölner Filiale Ehrenstraße hat Zara die Schließung bekannt gegeben, ein genauer Zeitpunkt steht jedoch noch nicht fest. Interessenausgleich- und Sozialplanverhandlungen haben noch nicht begonnen. In der Filiale arbeiten rund 23 Beschäftigte, rund 16 davon mit unbefristeten Verträgen.
    • In Hamburg Altona soll die Filiale Ottenser Hauptstraße zum 30. Juni 2016 geschlossen werden. Interessenausgleich- und Sozialplanverhandlungen laufen bereits. In der Filiale arbeiten 37 Beschäftigte, davon 26 unbefristet.
    • In Berlin soll die Filiale in den Potsdamer Platz Arkaden zum 31. März 2016 geschlossen werden. Die Interessen- und Sozialplanverhandlungen sind bereits abgeschlossen. In der Filiale arbeiten rund 35 Beschäftigte.
    • In Chemnitz schließt die Filiale in der Straße der Nationen in der ersten Jahreshälfte 2016. Vor Ort existiert kein Betriebsrat, damit auch kein Ansprechpartner für Interessenausgleich- und Sozialplanverhandlungen. In der Filiale arbeiten rund 30 Beschäftigte.