Tarifnews

    Post hält am Vertragsbruch fest

    Deutsche Post AG: bundesweit Streiks

    Berlin, 11. Mai 2015 | Die Tarifverhandlungen zwischen ver.di und der Deutschen Post AG zur Arbeitszeit für 140.000 Beschäftigte sind am Sonnabend (9. Mai 2015) in Berlin abgebrochen worden. Jetzt entscheidet die Konzerntarifkommission über den Fortgang der Tarifauseinandersetzung. „Die Deutsche Post AG lehnt es ab, zu einer Einigung im Gesamtpaket zu kommen. Sie ist nicht bereit, die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich auf 36 Stunden zu verkürzen oder den Vertragsbruch zurückzunehmen. Und sie will vor allem den Beschäftigten jeglichen Schutz vor Fremdvergabe nehmen“, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende und Verhandlungsführerin Andrea Kocsis. Mit ihrem Angebot verschärfe die Post den Tarifkonflikt. Das würden die Beschäftigten nicht hinnehmen. Die Gewerkschafterin kündigte für diese Woche bundesweite Streikmaßnahmen an. Wann und wo gestreikt wird, werde kurzfristig bekannt gegeben.

    „Anstatt Schutz und Perspektive gibt es mehr Unsicherheit. Die Zeichen stehen jetzt auf Sturm.“

    Andrea Kocsis, stellvertretende ver.di-Vorsitzende und Verhandlungsführerin

    In der vierten Verhandlungsrunde am Freitag und Sonnabend in Berlin hatte die Deutsche Post ihre Vorstellungen zur künftigen Ausgestaltung der Arbeitsverhältnisse offenbart. Fazit: „Anstatt Schutz und Perspektive gibt es mehr Unsicherheit“, sagte Kocsis. Vom kommenden Jahr an solle es keinen Schutz vor Fremdvergabe mehr geben. Damit wolle die Deutsche Post ihren fortgesetzten Vertragsbruch legalisieren und die Voraussetzungen dafür schaffen, den Konzern mittelfristig in Billiggesellschaften zu zerlegen. Die Verhandlungskommission werde der Konzerntarifkommission deshalb empfehlen, das Arbeitgeberangebot rundweg abzulehnen. „Die Zeichen stehen jetzt auf Sturm“, sagte Kocsis.

    ver.di fordert eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich, um den von der Deutschen Post AG begangenen Bruch des Vertrages zum Schutz vor Fremdvergabe zu kompensieren. Nachdem die Verhandlungen zur Arbeitszeit bereits seit Mitte März andauern, hatte die Gewerkschaft auch die in diesem Frühsommer anstehende Entgeltrunde in die laufenden Verhandlungen eingebracht. ver.di fordert für die Tarifkräfte und Auszubildenden des Unternehmens 5,5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Der entsprechende Entgelttarifvertrag ist zum 31. Mai 2015 gekündigt worden. Die Reaktion der Deutschen Post AG auf die in die Verhandlungen zur Arbeitszeit eingebrachte Lohnforderung wies die Gewerkschaft als „unseriös“ zurück.

    Der zwischen ver.di und der Deutschen Post AG geschlossene Vertrag legt fest, dass das Unternehmen maximal 990 Zustellbezirke an Dritte vergeben darf. Durch den Aufbau eines flächendeckenden Zustellnetzes über 49 Regionalgesellschaften für die Paketzustellung bricht die Post AG den Vertrag und entzieht damit den Beschäftigten Schutz und Sicherheit.

    Mitarbeiter der Deutschen Post AG Foto: Frank Rumpenhorst Deutsche Post: Bald Beschäftigte zweiter Klasse?