Tarifnews

    Solidaritätserklärung des Gewerkschaftsrats

    Solidarisch mit Streikenden der Ameos Kliniken

    30. Juni 2016 – Seit sechs Wochen wird bei den Ameos-Kliniken in Osnabrück, Hildesheim und Hameln für eine anständige Bezahlung, für die Begrenzung von Leiharbeit und für die Verlängerung des Kündigungsschutzes gestreikt. Obwohl der Konzern sein Hauptgeschäft in Deutschland macht, hat er seinen Firmensitz in der Schweiz, um damit die Unternehmensmitbestimmung zu umgehen. Der ver.di-Gewerkschaftsrat, das höchste Beschlussgremium der Gewerkschaft zwischen den Bundeskongressen, hat sich in seiner Sitzung am 28. Juni mit den streikenden Kolleginnen und Kollegen der Ameos Kliniken solidarisch erklärt und gefordert, Ameos müsse endlich ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. Die Repressalien gegen Beschäftigte müssten sofort zurückgenommen werden.

    Anständige Bezahlung

    In der Solidaritätserklärung heißt es: „Es gibt keinen Grund, euch schlechter zu bezahlen als die Kolleginnen und Kollegen in den kommunalen Kliniken“. Ameos mache kräftige Gewinne, da sei die Forderung nach gleicher Bezahlung wie im öffentlichen Dienst gerecht.

    „Ihr streikt für unsere Hoffnung aus unserer prekären Arbeitssituation heraus zu kommen. Ihr setzt euch da ein, wo uns, bedingt durch unsere Verträge, die Hände gebunden sind. Wir empfinden dies nicht als selbstverständlich und sind dankbar für euren Einsatz.“

    Aus dem Solidaritätsschreiben der Leiharbeiter/innen in den Ameos-Kliniken

    Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

    Als „ungeheuerlich“ bezeichnet der Gewerkschaftsrat das Verhalten von Ameos, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nur noch über eigene Tochtergesellschaften als Leiharbeitnehmer/innen einzustellen. Damit werde der Tarifvertrag unterlaufen und das branchenübliche Niveau erheblich abgesenkt. Der Gewerkschaftsrat begrüßt das entschiedene Eintreten der Streikenden für das Prinzip „Ein Betrieb – ein Tarifvertrag!“ und den Kampf für die Übernahme der Kolleginnen und Kollegen in reguläre Arbeitsverhältnisse in den Ameos-Kliniken. Auch die Leihkräfte bei Ameos erklären sich solidarisch mit den streikenden Kolleg/innen. In ihrem Solidaritätsschreiben heißt es: „Ihr streikt für unsere Hoffnung aus unserer prekären Arbeitssituation heraus zu kommen. Ihr setzt euch da ein, wo uns, bedingt durch unsere Verträge, die Hände gebunden sind. Im Mittelpunkt eures Einsatzes steht das Patientenwohl und die Rechte ALLER Mitarbeiter. Wir empfinden dies nicht als selbstverständlich und sind dankbar für euren Einsatz und die damit verbundenen Strapazen die ihr auf euch nehmt.“

    Kündigungsschutz statt Ausgliederungen

    Der Gewerkschaftsrat kritisiert weiterhin, dass Ameos fast alle Bereiche ausgliedert. Den Beschäftigten lasse der Arbeitgeber dann die perfide „Wahl“, eine betriebsbedingte Kündigung zu akzeptieren oder in eine Ameos-Tochtergesellschaft zu wechseln, natürlich zu schlechteren Arbeitsbedingungen und ohne Interessenvertretungen. Bei so einem Arbeitgeber habe die tarifliche Absicherung des Ausschlusses betriebsbedingter Kündigungen eine hohe Bedeutung.

    Für eine gute Versorgung

    ver.di betont, dass den Streikenden, eine gute Patientenversorgung wichtig sei. Im Gegensatz zu Ameos, denn dort sei schließlich bekannt, dass zu einer guten psychiatrischen Versorgung gute Arbeitsbedingungen, ausreichend viel Personal und eine angstfreie Arbeitsatmosphäre gehören. „Befristete Verträge, häufig wechselnde Bezugspersonen, wenig Erfahrung im Umgang mit psychisch kranken Menschen und unterschiedliche Arbeitsbedingungen innerhalb eines Teams schaden einer qualitativ guten Patientenversorgung“, heißt es weiter in der Solidaritätserklärung.

    Schluss mit Maßregelungen

    Der Gewerkschaftsrat kritisiert das „miese“ Verhalten von Ameos, sich willkürlich einzelne Beschäftigte herauszugreifen und ihnen zu kündigen oder anzubieten, „freiwillig zu gehen“. Das erinnere an die Zeit des Frühkapitalismus. Die Einschüchterungsversuche seien eine massive Kampfansage an die streikende Belegschaft und ihre Gewerkschaft ver.di.

    „Dass ein Gesundheitskonzern, der von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen lebt, sich nicht an die gesellschaftlichen Konventionen in Deutschland hält, ist unerhört.“

    Ameos-Klinik: Streik für eine anständige Bezahlung und die Begrenzung von Leiharbeit Foto: dpa Ameos-Klinik: Streik für eine anständige Bezahlung und die Begrenzung von Leiharbeit