Tarifnews

    Rückgrat der Lohnentwicklung

    Studie: Tariflöhne zahlen sich aus

    07.02.2013 | Die Tariflöhne und -gehälter in Deutschland waren 2012 real um 6,9 Prozent höher als 2000. Real, also nach Abzug aller Preissteigerungen, sind hingegen die durchschnittlichen Bruttolöhne aller Beschäftigten zwischen 2000 und 2012 um rund 1,8 Prozent gesunken. Das haben neue Berechnungen des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung ergeben. In den vergangenen drei Jahren, in denen die Löhne tatsächlich um 1,2, um 1 und 0,6 Prozent zulegten, konnten die erheblichen Verluste aus den Vorjahren noch nicht ausgeglichen werden. Schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Deregulierung am Arbeitsmarkt hatten dazu beigetragen, dass sich die Einkommen der Beschäftigten in den Nullerjahren nur schwach entwickelten. Die Hartz-Reformen verstärkten dann zusätzlich den Druck auf die Verdienste. Die Folge: Der Niedriglohnsektor wuchs. Immerhin wird der Rückstand kleiner: 2009 hatten die realen Bruttolöhne noch um 4,6 Prozent niedriger gelegen als im Jahr 2000.

    Zusammenfassend heißt das: Die Bruttoeinkommen, in die unter anderem auch die Löhne der nicht nach Tarif bezahlten Arbeitnehmer/innen einfließen, blieben hinter den Tarifeinkommen zurück. „Das zeigt, dass das Tarifsystem in der vergangenen Dekade mehr denn je das Rückgrat der Lohnentwicklung in Deutschland war“, sagt Tarifexperte Reinhard Bispinck, der die Studie am WSI verantwortet. Auswirken konnten sich die Tariflöhne aber auf die nicht-tariflichen Einkommen kaum. Hauptgründe: Die Tarifbindung sank und Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten nutzten tarifliche Öffnungsklauseln.