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    "Goldene Nase": Preisverleihung am 21. Dezember

    Bürgerinitiative für Gute Arbeit

    "Goldene Nase": Preisverleihung am 21. Dezember

    20.12.2011 | Auch in diesem Jahr hat die Thüringer Bürgerinitiative "Gegen Billiglohn – Für Gleichbehandlung" Unternehmen ausgezeichnet, die Dumpinglöhne zahlen, Arbeitnehmerrechte brechen oder Tarifverträge ignorieren. Die Jury hat sich für drei Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche entschieden. Am Mittwoch, 21. Dezember, wird die "Goldene Nase" vor dem Sophienhaus in Weimar öffentlich übergeben.

    Kampagnenmotiv Logo der Bürgerinitiative Bürgerinnen gegen Billiglohn - für Gleichbehandlung


    Leistungen aushebeln, mitreden und streiken verbieten


    Der erste Preis ging an die Diakoniestiftung "Altenhilfe Sophienhaus" in Weimar. Die Einrichtung wurde 2008 ausgegliedert mit dem Ziel, Löhne zu senken und die Beschäftigten bei Sonderzahlungen und Zuschlägen für die Nacharbeit schlechterzustellen. Damit das gelingt, wurden die neuen Arbeitsverträge nicht mehr auf der Basis der Arbeitsvertragsrichtlinien für Einrichtungen, die dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche angeschlossen sind, abgeschlossen. Stattdessen gilt nun die so genannte Arbeits- und Sozialordnung. Diese wurde von den Arbeitgebern entwickelt, ohne die Mitarbeitervertreter/innen der Stiftung zu beteiligen. Vor dem Betriebsübergang gab es noch eine Betriebsratswahl, danach wurde die Interessenvertretung  nicht mehr anerkannt. Trotz "Gastmitgliedschaft" im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche gilt das Verbot des Streikrechts mit Hinweis auf das Kirchenrecht. Sich gewerkschaftlich zu engagieren, wurde verboten.

    Lohn in homöopathischen Dosen

    Das Callcenter "TOS Center" in Erfurt kam auf den zweiten Platz. Die meisten der 50 Beschäftigten dieses Unternehmens haben nur Mini-Jobs. Die ver.di-Bezirksgeschäftsführerin Corinna Hersel sagte der Thüringischen Zeitung, dass eine Beschäftigte offiziell einen Arbeitsvertrag über 14 Stunden die Woche hat, real jedoch über 50 Stunden und mehr gearbeitet habe. Auch wich die Bezahlung von dem im Arbeitsvertrag vereinbarten Entgelt deutlich ab, d. h. ihr Lohn errechnete sich lediglich aus der Zahl der zustande gekommenen Kundenkontakte am Telefon. "In einem Monat lag ihr Lohn bei 43 Euro. Rechnet man das auf die geleisteten Stunden um, liegen wir bei 21 Cent pro Stunde", wird Corinna Hersel zitiert.

    Ohne betriebliche Mitbestimmung und unterbezahlt

    Die "Goldene Nase" in Bronze schmückt nun die Edeka-Filiale Neukauf in Steinbach-Hallenberg. Dort arbeiten circa 20 Festangestellte. Weitere 20 Mitarbeiter/innen sind geringfügig beschäftigt - für nur sechs Euro die Stunde. Der Tarifvertrag für den Einzelhandel wird nicht angewendet, Urlaub und Krankentage werden nicht bezahlt. Es gibt keine festen Arbeitszeiten. Mehrere Kameras wurden im Markt installiert - bis zur Tür des Pausenraums. Ein Betriebsrat wurde nicht zugelassen.

    Der Kabarettist Ulf Annell und Historiker Rüdiger Bender sowie Helmut Meier (Geschäftsführer des GEAT-Zeitarbeitunternehmens) sind die Mitglieder der Jury und haben die Unternehmen ausgezeichnet.

    Morgen, am 21. Dezember, wird die "Goldene Nase" öffentlich übergeben: vor dem Sophienhaus in Weimar, um 13 Uhr.

    Auf Initiative von engagierten Gewerkschafter/innen ist die Bürgerinitiative gegen Billiglohn im Jahr 2003 gegründet worden. Das Ziel: Gute Arbeit etablieren und für den gesetzlichen Mindestlohn kämpfen.

    Text: Ulla Spiekermann