Tarifnews

    Weg mit PEPP!

    Pauschalierendes Entgeltsystem PEPP nicht einführen

    Berlin, 7. August 2013 | ver.di warnt gemeinsam mit attac, Sozialverbänden, Ärzte- und Patientenorganisationen vor der Einführung des pauschalierenden Entgeltssystems Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP). In einer Petition fordern die Organisationen die kommende Bundesregierung auf, PEPP nicht einzuführen. Innerhalb eines Monats hat die Initiative bereits über 2000 Unterstützerunterschriften erhalten, darunter 60 von Klinikleitungen.

    Das neue Entgeltsystem befindet sich derzeit in einer Testphase und soll laut Bundesgesundheitsministerium 2015 verpflichtend werden. Bei dem Abrechnungssystem wird jedem Krankheitsbild ein fester Tagessatz zugewiesen. In anderen medizinischen Einrichtungen sind solche Fallpauschalen bereits 2003 eingeführt worden. Dies führte in den Kliniken zu einem großen Kostendruck und Personalabbau.

    Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, sagte dazu am Mittwoch auf einer Pressekonferenz der Initiative „PEPP nicht einführen!“, die Politik habe aus der Einführung der Fallpauschalen nichts gelernt und wiederhole nun einen schlimmen Fehler. Da zwei Drittel der Entstehungskosten in der Psychiatrie Personalkosten seien, sei absehbar, dass PEPP kurzfristig zu Druck auf die Löhne und schließlich zu Personalabbau führen werde. Wenn die Bundesregierung glaube, der Markt steuere am besten, dann irre sie sich.

    „Die besonderen Bedürfnisse der Psychiatrie werden im PEPP nicht berücksichtigt.“, sagte Dagmar Paternoga von Attac Deutschland. Jede Krankheit verlaufe individuell. Mit PEPP sei ein verstärktes Ausweichen auf Medikamente zu befürchten, anstatt mehr Personal einzusetzen. Patienten seien zudem dem Risiko ausgesetzt, dass die Pauschalierung über die Länge ihres Klinikaufenthaltes entscheide und nicht der individuelle Krankheitsverlauf selbst.

    Die Petition der Initiative „PEPP nicht einführen!“ wird bis zu den Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl fortgeführt und ist Grundlage für Gespräche mit der neuen Bundesregierung. Darüberhinaus plant die Initiative eine Fachveranstaltung, in der Alternativen zu PEPP aufgezeigt werden sollen.