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Abgeordnete sollen nicht mit Qatar Airways fliegen

27. Juni 2014 | Fünfjährige Heiratssperren, Ausgangssperren und Überwachung in der Freizeit! Ein Klima der Angst herrscht unter den Beschäftigten bei der staatlichen Fluggesellschaft Qatar Airways. Der ver.di-Vorsitzende, Frank Bsirske, hat in einem Brief die Abgeordneten des Bundestags aufgefordert: „Fliegen Sie nicht mit Qatar Airways, solange dort Arbeitnehmer/innenrechte missachtet werden.“ Stattdessen bittet Bsirske die Abgeordneten um Unterstützung im Kampf um gute Arbeitsbedingungen – für Frauen und Männer weltweit.


In dem Brief macht der ver.di-Vorsitzende auf inakzeptable Arbeitsbedingungen bei Qatar Airways aufmerksam. Der Staat Katar lasse zu, dass seine eigene Fluggesellschaft in einer Vielzahl von Fällen gegen nationales und internationales Arbeitsrecht verstoße. Deshalb haben der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) und die Internationale Transportarbeiterföderation (ITF) den Fall „Qatar Airways“ Anfang Juni bei der Internationalen Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organization) angezeigt.

IGB und ITF belegen zahlreiche Verstöße gegen ILO-Kernarbeitsnormen durch die Fluggesellschaft. Dabei geht es auch um Verstöße gegen das ILO-Übereinkommen 111, das Katar im Jahre 1976 unterschrieben hatte, und das sich gegen Diskriminierungen in Beschäftigung und Beruf richtet. Entgegen dieser Absichtserklärung werden Mitarbeiterinnen von Qatar Airways im Arbeitsvertrag zu einer fünfjährigen Heiratssperre verpflichtet. Zudem sind sie gezwungen, Schwangerschaften anzuzeigen und die Kündigung zu akzeptieren, wenn sie schwanger werden. Auch sind zahlreiche Fälle von willkürlichen Kündigungen, Ausgangssperren und Überwachung sowohl am Arbeitsplatz als auch in der Freizeit bekannt.

Anlässlich der am 5. Juni bei der ILO eingereichten Klage gegen Katar sagte der geschäftsführende ITF-Generalsekretär Stephen Cotton: „Qatar Airways ist selbst bei Brancheninsidern für seine miserablen Beschäftigungspraktiken berüchtigt.“ Die ILO sei dringend aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen und die notwendigen Empfehlungen auszusprechen, um die Regierung von Katar dazu zu bewegen, umgehend ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen und die skandalöse Diskriminierung der weiblichen Angestellten bei seiner nationalen Fluggesellschaft zu beenden.

Erst vor kurzem hatte der ILO-Ausschuss für Vereinigungsfreiheit die Regierung von Katar im Zusammenhang mit der Einschränkung des Rechts der Beschäftigten auf gewerkschaftliche Organisierung, Streik und Kollektivverhandlungen zum Handeln aufgefordert. Im Bericht des ILO-Verwaltungsrates war die Regierung zudem wegen des Verstoßes gegen das ILO-Übereinkommen 29 über Zwangsarbeit scharf kritisiert worden.

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