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    Weg vom Dritten Weg

    Erster Tarifvertrag zwischen Diakonie und ver.di abgeschlossen

    23.05.2013 | Die niedersächsische Diakonie (DDN), ver.di und der Marburger Bund (MB) wollen zukünftig Tarifverträge miteinander abschließen. Eine entsprechende Vereinbarung dazu wurde in der vergangenen Woche getroffen. Als erster Testlauf für die künftige Tarifpartnerschaft wurde im April und Mai über eine Erhöhung der Entgelte für die über 30.000 Beschäftigten der Diakonie Niedersachsen erfolgreich verhandelt.

    ver.di fordert, dass Tarifverhandlungen künftig den sogenannten Dritten Weg ersetzen, den bisher praktizierten Weg kircheninterner Verhandlungen über Löhne und Arbeitsbedingungen unter Ausschluss der Gewerkschaften. Das Bundesarbeitsgericht hatte die kirchliche Praxis im November 2012 zwar im Grundsatz bestätigt, mahnte aber eine bessere Beteiligung der Gewerkschaften an. Auch das Streikverbot wurde gelockert.

    In Niedersachen saßen die Gewerkschaften als Verhandlungspartner nun mit am Tisch. „Vor dem Hintergrund der mangelnden Refinanzierung vor allem in der Altenhilfe gestalteten sich die Verhandlungen sehr schwierig. Die Gewerkschaften wollten möglichst viel für die Beschäftigten erreichen, die diakonischen Arbeitgeber ihre jeweiligen Einrichtungen nicht überfordern. Dieser Spagat prägte jede Verhandlung, doch letztlich haben wir einen tragfähigen Kompromiss erzielt“, sagte der DDN-Vorsitzende Hans-Peter Hoppe.

    Für die Mehrheit der Diakonie-Beschäftigten konnte eine lineare Erhöhung der Einkommen von insgesamt 5,5 Prozent in drei Stufen erreicht werden, während die Beschäftigten in der Altenpflege nur 2,5 Prozent erhalten. „Dies ist besonders bitter, weil die Arbeit der Altenpflegerinnen genauso viel wert ist, wie die der Krankenpflegerin. Deshalb brauchen wir unbedingt einen Tarifvertrag Soziales, der die Lohnkonkurrenz in diesem Bereich aufhebt“, sagte Annette Klausing, zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretärin.