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Neue Streikwelle bei Amazon

Berlin, 22. Juni 2015 | ver.di hat die Beschäftigten bei Amazon erneut zum Streik aufgerufen. An den Standorten Rheinberg und Werne (NRW), Bad Hersfeld (Hessen), Leipzig (Sachsen), und Graben (Bayern) haben die Beschäftigten seit heute mit Beginn der Frühschicht die Arbeit niedergelegt. Die Streiks dauern vorläufig bis Mittwoch (24. Juni 2015) bis zum Ende der Spätschicht an.

Statt 29 nur noch 28 Tage Urlaub

„Die Amazon-Beschäftigten kämpfen für einen Tarifvertrag. Sie verlangen verlässliche und gute Arbeitsbedingungen und wollen nicht mehr der Willkür eines Arbeitgebers ausgeliefert sein. Das ist ihr gutes Recht“, sagte Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied. Sie verwies darauf, dass Amazon in Leipzig vor einiger Zeit willkürlich entschieden hat, statt 29 nur noch 28 Tage Urlaub zu gewähren. „Mit einer verbindlichen Regelung in einem Tarifvertrag wären solche eigenmächtigen Entscheidungen von Amazon nicht möglich. Außerdem hätten die Beschäftigten nach dem Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel garantiert Anspruch auf 30 Tage Urlaub“, so Nutzenberger. Das kleine Beispiel zeige bereits, wie wichtig der Schutz durch Tarifverträge für bessere Arbeitsbedingungen sei.

Die Streiks beim größten deutschen Versandhändler Amazon begannen im April 2013, als Beschäftigte am Standort Bad Hersfeld zum ersten Mal die Arbeit niederlegten. Mittlerweile haben sich Beschäftigte an sechs der acht Versandstandorte sowie der Amazon Prime Instant Video Germany GmbH in Elmshorn (Schleswig-Holstein) organisiert und gestreikt. Amazon verweigert jegliche Tarifbindung und behauptet immer wieder, man orientiere sich an den Tarifen der Logistikbranche. Doch von tarifvertraglichen Standards ist das Unternehmen weit entfernt: Es zahlt kein Urlaubsgeld und nur ein verschwindend geringes, so genanntes Weihnachtsgeld.

Beschäftigte bei Amazon klagen zudem immer wieder über Leistungshetze, akribische Überwachung am Arbeitsplatz und Feedback-Gespräche, in denen sie etwa wegen angeblicher Inaktivität von zum Teil nur einer Minute unter Druck gesetzt werden. Die Arbeitsbedingungen führen zu hohen Krankenquoten von bis zu 20 Prozent.

Die Streiks bei Amazon sind eingebettet in die aktuellen, regional geführten Entgelt-Tarifverhandlungen für den Handel. Amazon trägt dort maßgeblich zum Verdrängungswettbewerb bei. Die Tarifverhandlungen im Handel finden seit dem 1. April 2015 statt. So wie bei Amazon kämpfen auch Beschäftigte in anderen tariflosen Unternehmen des Einzelhandels in der aktuellen Tarifrunde dafür, dass ihr Unternehmen endlich in die Tarifbindung eintritt.

„Armut und Altersarmut der Beschäftigten dürfen nicht länger das Ergebnis dieses Verdrängungswettbewerbs sein.“

Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied

Den Beschäftigten reiche es endgültig, dass ihre Einkommens- bedingungen in den Augen der Handelsunternehmen nur als  Wettbewerbsfaktoren verstanden werden, so Nutzenberger. „Armut und Altersarmut der Beschäftigten dürfen nicht länger das Ergebnis dieses Verdrängungs- wettbewerbs sein. Hier ist auch der Arbeitgeberverband des Einzelhandels gefordert. Er soll endlich seine Blockadehaltung aufgeben und mit ver.di die Allgemeinverbindlichkeit unserer Tarifverträge vereinbaren.“

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