Tarifnews

    Politik des Wegsehens ist unerträglich“

    ver.di kritisiert unwürdige Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern

    Berlin, 7. Juni 2016 | Anlässlich von Medienberichten über die unwürdigen Arbeitsbedingungen osteuropäischer Lkw- und Sprinter-Fahrer im Dienste hier ansässiger Unternehmen fordert die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis Politik und Unternehmen zum Handeln auf: „Die Politik des Wegsehens ist unerträglich. Andere EU-Staaten setzen die entsprechenden Vorschriften rigoros um, wonach die tägliche Ruhezeit nur in dafür geeigneten Fahrzeugen und die regelmäßige wöchentliche Ruhezeit keinesfalls im Fahrzeug verbracht werden darf. In Deutschland aber wird weder kontrolliert noch sanktioniert. Das macht diese unwürdigen Zustände überhaupt erst möglich“, sagte Kocsis. Anlass der Kritik sind wiederholte Medienberichte, wie zuletzt im WDR-Fernsehen, die die unhaltbaren Arbeits- und Entlohnungsbedingungen der bei Subunternehmen beschäftigten Fahrer thematisieren.

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    „In Deutschland aber wird weder kontrolliert noch sanktioniert. Das macht diese unwürdigen Zustände überhaupt erst möglich.“

    Andrea Kocsis, stellvertretende ver.di-Vorsitzende

    Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende sieht in diesem Zusammenhang auch die Unternehmen in der Pflicht. Es könne nicht sein, dass Beschäftigten weder schriftliche Arbeitsverträge hätten, noch Lohnabrechnungen erhalten würden. Auch das Verhalten der Deutschen Post AG, die für viele Fahrten zwischen ihren Brief- und Paketzentren Subunternehmer beauftragt hat, die sich ihrerseits wiederum weiterer Subunternehmer bedienten, kritisierte Kocsis. „Wir haben bereits vor etlichen Jahren einen Schutzvertrag durchgesetzt, wonach ein Teil der posteigenen Fahrer erhalten bleibt. Aber die Fremdvergabe war und ist uns ein Dorn im Auge.“ Auch könnten sich Unternehmen wie die Deutsche Post AG durch den Verweis auf die unter Vertrag genommenen Subunternehmer nicht aus der Verantwortung stehlen. „Hier muss die Deutsche Post AG handeln und für rechtmäßige Arbeitsbedingungen bei den Subunternehmen sorgen“, erklärte Kocsis.

    Fairer Transport: Gute Fahrt in ganz Europa
    Die Europäische Bürgerinitiative „Fair Transport Europe“ will auf EU-Ebene dafür sorgen, dass faire Bedingungen für die Beschäftigten im Verkehrssektor gesetzlich festgeschrieben werden. Dazu sammelt sie Unterschriften, mehr als eine Millionen müssen zusammenkommen. Die sollen die EU-Kommission dazu bewegen, europaweit Maßnahmen durchzusetzen, die den Beschäftigten im Verkehrsbereich gute soziale Bedingungen und faire Löhne garantieren.