Tarifnews

    Alaaf und Helau – aber nicht überall!

    Keine Narrenfreiheit

    Altweiber, Rosenmontag, Faschingsdienstag sind zwar hohe Feiertage in den närrischen Regionen des Landes, aber dennoch sind sie selbst dort nicht automatisch arbeitsfrei. Darauf verweist die DGB-Rechtsschutz GmbH in einer Pressemitteilung kurz vor Beginn der 5. Jahreszeit. Die Entscheidung ob frei ist oder nicht, obliegt dem Arbeitgeber. In einigen Firmen ist diese Frage auch per Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder im Arbeitsvertrag geregelt. Steht dort nichts, sind diese Tage ganz normale Arbeitstage. Wer trotzdem feiern gehen möchte, muss Urlaub beantragen. Wird der nicht genehmigt, nützt auch das tollste Kostüm nichts, man sollte dann tunlichst am Arbeitsplatz erscheinen, sonst droht die fristlose Kündigung.

    Auch zum Karneval herrscht nicht überall Narrenfreiheit. dpa-Bildfunk Kumm loss mer fiere...


    Ob das Kostüm dann besser zu Hause bleibt, „hängt davon ab, wo man arbeitet, insbesondere, ob man Kundenkontakt hat“, sagt der DGB-Rechtsschutz. So könne es beim Verkauf von Backwaren noch ganz neckisch sein, wenn der Verkäufer eine Clownsnase trägt, die Bankberaterin sollte vielleicht auch an närrischen Tagen auf ein seriöses Auftreten achten.

    Krawatte ab

    Auch beim Abschneiden der Krawatte am Altweibertag sollte man gesunden Menschenverstand walten lassen. Dort wo es ein gängiger Brauch ist, haben sich die potenziellen Opfer oft schon darauf eingestellt. Allerdings rät der DGB-Rechtsschutz zur Vorsicht bei Ortsunkundigen: Sie könnten den Schnitt nicht nicht als Spaß verstehen und auf Schadenersatz klagen.

    Gibt es im Betrieb eine offizielle, vom Arbeitgeber organsierte Karnevalsfeier, steht die Belegschaft bei deren Besuch unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Der kann auch für eine von den Beschäftigten selbst organisierte Party gelten, wenn sie mit dem Arbeitgeber abgesprochen ist.

    Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben

    Wer während der Karnevalstage krank geschrieben ist, sollte einen großen Bogen um alle Karnevalsveranstaltungen machen. Christin Prochnow, DGB-Rechtsschutzsekretärin in Rostock, verweist auf ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Nürnberg. In dem Fall ging es um einen Mann, der bereits seit einigen Tagen wegen einer Grippe mit ärztlichem Attest arbeitsunfähig war. Dennoch besuchte er bei Minusgraden eine Faschings- veranstaltung im Freien und begegnete dort seinem Chef. Am nächsten Tag folgte die fristlose Kündigung. Zu Recht, bestätigte erst das Arbeitsgericht Weiden, dann das Landesarbeitsgericht Nürnberg. Der Arzt habe den Mann schließlich darauf hingewiesen, Kälte und Arbeitsbelastung zu vermeiden. Eine Abmahnung sei für die Wirksamkeit der fristlosen Kündigung nicht erforderlich, weil der Mann trotz der Begegnung mit dem Vorgesetzten die Feier nicht verlassen habe.

    „Im Ergebnis zeigt das Urteil erneut, dass Arbeitnehmer/innen auch außerhalb des Dienstes gegenüber ihrem Arbeitgeber verpflichtet sind, dessen Interessen zu wahren. Im Besonderen gilt dies für den Fall der Arbeitsunfähigkeit – auch wenn die fünfte Jahreszeit so manche Ansichten lockern mag. Narrenfreiheit existiert im Arbeitsverhältnis nicht“, warnt der DGB-Rechtsschutz.

    Helau und Alaaf - Karneval auch am Arbeitsplatz

    Keine Narrenfreiheit während der Arbeitsunfähigkeit