Tarifnews

    Krankenpflege macht krank

    Klinikbeschäftigte streiken für Entlastung

    Berlin, 19. September 2017 | Bereits im Juli diesen Jahres hat ver.di bundesweit Kliniken zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag Entlastung aufgefordert, doch längst nicht alle Klinikleitungen sind gesprächsbereit. ver.di hat deshalb heute Beschäftigte in Krankenhäusern in Bayern, Hessen, NRW, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Berlin zum Streik aufgerufen. „Leider zeigten einige Arbeitgeber keine Bereitschaft, Entlastung für die Beschäftigten zu schaffen, so dass sich ein Streik nicht verhindern ließ“, erklärt Sylvia Bühler, im ver.di-Bundesvorstand zuständig für den Bereich Gesundheit.

    Charité: Pflegekräfte wollen nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Personal Camay Sungu Pflegekräfte wollen nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Personal

    „Die ständige Zeitnot macht die Beschäftigten krank. Eine gute Versorgung der Patienten ist so oft nicht möglich. Das betrifft alle Krankenhäuser, egal ob öffentlich oder privat.“

    Sylvia Bühler, ver.di-Bundesvorstand

    Anlass für die Tarifauseinandersetzung ist die schlechte Personalausstattung in den Krankenhäusern, die zur permanenten Überlastung der Beschäftigten führt. „Zu wenig Personal heißt zu wenig Zeit. Die ständige Zeitnot macht die Beschäftigten krank. Eine gute Versorgung der Patienten ist unter diesen Umständen oft nicht möglich. Das betrifft alle Krankenhäuser, egal ob öffentlich oder privat. Deshalb führen wir die Auseinandersetzung bundesweit und haben Kliniken verschiedenster Träger zu Verhandlungen aufgefordert“, sagt Bühler. Dass ausgerechnet in Krankenhäusern immer wieder gegen den Gesundheitsschutz verstoßen werde, der gesetzlichen Verpflichtung der Arbeitgeber zum Trotz, sei nicht länger hinnehmbar. „Da hilft den Arbeitgebern auch kein Verweis auf die unternehmerische Freiheit. Die endet dort, wo der Gesundheitsschutz der Beschäftigten beginnt“, so Bühler.

    ver.di fordert unter anderem die Festlegung einer Mindestpersonalausstattung sowie Regelungen zum Belastungsausgleich, falls die tarifvertraglichen Vorgaben nicht eingehalten werden. Zudem muss sich die Ausbildungsqualität verbessern, beispielsweise durch die Freistellung von Ausbilder/innen für die Zeit der praktischen Anleitung von Auszubildenden. Es muss ausgeschlossen werden, dass Auszubildende für die Kompensation von Personalengpässen herangezogen werden.

    Tarifvertrag an der Charité wird noch nicht umgesetzt

    Bereits seit dem 18. September befinden sich die Beschäftigten der Berliner Charité in einem Streik. An der Charité wurde 2016 der bundesweit erste Tarifvertrag abgeschlossen, der die Personalausstattung regelt. Die mangelnde Bereitschaft des Arbeitgebers zur Umsetzung dieses Tarifvertrags macht nun die erneuten Verhandlungen nötig.

    Unabhängig von der Tarifbewegung setzt sich ver.di auf politischer Ebene für verbindliche Personalvorgaben per Gesetz ein. Nach Berechnungen der Gewerkschaft müsste es für eine gute und sichere Versorgung 162.000 Stellen in Krankenhäusern mehr geben, davon allein 70.000 in der Pflege.