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Arbeitsgericht Paderborn: Kündigung wegen Bonbonlutschens war unwirksam

10. März 2016 | Eine Netto-Kassiererin bekam die fristlose Kündigung, weil sie angeblich während der Arbeit einen Bonbon gelutscht habe, der ihr auch noch aus dem Mund gefallen sei. Der Arbeitgeber behauptet, ein Kunde habe sich per E-Mail beschwert. „Diesen Vorfall gab es nicht“, sagt die Kassiererin. Das sei nur vorgeschoben, um sie loszuwerden.

Der Fall geht vor Gericht: Da die 43jährige Kassiererin, Angela Webster, ver.di-Mitglied ist, wird sie vom DGB-Rechtsschutz vertreten. Die 24-Stunden-Kraft der Paderborner Netto-Filiale klagt auf Wiedereinstellung und gewinnt vor dem Arbeitsgericht. Einer der Gründe ist, dass sich die stellvertretende Filialleiterin, die den Vorfall bezeugt hat, an dem fraglichen Tag im Urlaub befand. Auch die Herkunft der angeblichen Beschwerde-E-Mail ist bis heute ungeklärt.

Angela Webster vermutet, man wollte sie loswerden, weil sie aufgedeckt habe, dass bei Netto Fehlstunden trotz Krankmeldung als Minusstunden verbucht werden. Ihre Stundenabrechnungen zeigten ein unerklärliches Minus. „Auf den ersten Blick fällt es in der Tabelle nicht auf“, sagt Webster. Doch ihr sei gleich klar gewesen, das konnte nicht stimmen.

Von der Geschäftsleitung habe sie eine Erklärung verlangt. Auch dieser Streit ging bis vors Arbeitsgericht Paderborn. Das Gericht forderte den Arbeitgeber auf, er solle die Minusstunden erklären. Netto begründete mit einem technischen Versehen und löschte kurzerhand das Minus vom Stundenkonto. Damit aber bleibt das Unternehmen eine detaillierte Erklärung schuldig.

Der Vorwurf, Netto wolle eine unbequeme Mitarbeiterin loswerden, scheint nicht unbegründet. So hat der Arbeitgeber vor der Kündigung eine Abmahnung ausgesprochen und dann wieder zurückgenommen. Zudem hat der Arbeitgeber ein Angebot für eine Abfindung gemacht. – Webster lehnte ab. „Die Wahrheit ist nicht käuflich“, sagt sie. Zum Gehen sei sie nicht bereit. Sie sei auf ihre Arbeit angewiesen. Und in zwei Jahren will sie selbst für den Betriebsrat kandidieren.

Sollte Netto nicht in die Berufung gehen, wird Angela Webster wieder zu ihren arbeitsvertraglichen Bedingungen arbeiten können. Dazu muss der Arbeitgeber dann auf sie zukommen.

Minusstunden nach Krankheit?

ver.di und der DGB-Rechtsschutz empfehlen allen Verkäuferinnen und Verkäufern, insbesondere bei Netto, sich die Abrechnungen gründlich auf unerklärliche Minusstunden anzuschauen und im Zweifel eine Erklärung vom Arbeitgeber zu verlangen. Sollte es zum Rechtsstreit, wie bei Angela Webster, kommen, genießen ver.di-Mitglieder Rechtsschutz.

 

 

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