Tarifnews

    Betriebsratsgründung verhindert

    Bagel Direkt entlässt alle Beschäftigten in Mönchengladbach

    Mönchengladbach, 20. April 2016 | Im Winter ist es eiskalt, im Sommer brütend heiß in der Werkshalle der Firma Bagel Direkt GmbH, in der Werbebeilagen verarbeitet und verpackt werden. Die Arbeitsbedingungen sind schwierig, die Arbeitszeiten belastend. Angeliefert werden die Broschüren und Beilagen von Tiefdruck Schwann-Bagel (TSB), die nebenan drucken. Die Beschäftigten von Bagel Direkt, die unter schweren Bedingungen arbeiteten, wünschen sich nichts weiter als ein Mindestmaß an Urlaub und Geld. Um dafür zu kämpfen, beschlossen sie einen Betriebsrat zu gründen. Doch künftig werden nun andere die Broschüre „Einkauf aktuell“ und weitere Einzelhandelswerbeblätter verschweißen. Das Unternehmen kündigte die gesamte Belegschaft.

    Die Firma Bagel Direkt entlässt wegen Betriebsratsgründung Screenshot Die Firma Bagel Direkt entlässt wegen Betriebsratsgründung


    Am 8. April bekamen die ersten 19 Beschäftigten ihr Kündigungsschreiben. Zugleich bot der Geschäftsführer des Unternehmens, Udo Bogner, einigen von ihnen an, im Rahmen eines Werkvertrages weiterzuarbeiten. Inzwischen sind fast alle fest Beschäftigten gekündigt – 43 Entlassungen insgesamt. „Längstens arbeiten sie noch bis Juli, denn das Unternehmen hält die Kündigungsfristen ein“, sagt der zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretär Jörg Krings. Darüber hinaus hat Bagel Direkt auch den Vertrag mit der Zeitarbeitsfirma „Pekon“ gekündigt, bei dem das Unternehmen zirka 130 Beschäftigte entliehen hat.

    „Der Grund für die Entlassungen ist ganz klar die Absicht der Beschäftigten, einen Betriebsrat gründen zu wollen“, sagt Krings. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiteten unter erschwerten Bedingungen mit einer sehr geringen Entlohnung. Einige wollten diese unerträglichen Arbeitsbedingungen nicht mehr akzeptieren und haben ver.di um Unterstützung bei der Bildung eines Betriebsrates gebeten. „In anderen Teilen des Konzerns sind Betriebsräte ja auch selbstverständlich. Für Bagel Direkt soll das aber offenbar verhindert werden.“ Die Kolleginnen und Kollegen wollten nichts weiter, als ihr gesetzlich verbrieftes Recht in Anspruch nehmen und erträgliche Arbeitsbedingungen erreichen.

    Krings kündigte bereits an, dass ver.di die Maßnahme des Unternehmens nicht akzeptieren werde und forderte die Unternehmensleitung auf, die Kündigungen umgehend zurückzunehmen und die Gründung eines Betriebsrates nicht weiter zu behindern. Die Firma Bagel Direkt wird es weiter geben, nebenan druckt ja auch noch die TSB. Doch sollten Werkvertragler künftig die Arbeit machen, sind sie nicht wahlberechtigt, und das sei dann Behinderung einer Betriebsratsgründung, so Krings. ver.di werde zum 1. Mai Solidaritätspostkarten herausbringen und auch weiter Druck auf lokaler Ebene machen.