Tarifnews

    Gesetzliche Krankenversicherung

    Rückkehr zu Fifty-Fifty

    18. August 2016 – Seit Beginn des Jahres 2015 tragen Arbeitnehmer/innen Beitragserhöhungen bei den gesetzlichen Krankenversicherungen alleine. Der Arbeitgeberanteil wurde auf 7,3 Prozent eingefroren, haben die Kassen einen höheren Finanzbedarf, können sie Zusatzbeitrag erhöhen. Über 100 Kassen machen das bereits, sie liegen derzeit zwischen 0,4 und 1,9 Prozent.

    Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem von der Uni Duisburg-Essen geht jedoch davon aus, dass sich die Zusatzbeiträge innerhalb von vier Jahren verdoppeln werden. Bereits jetzt haben mehrere gesetzlichen Krankenkassen angekündigt, dass sie ihre Zusatzbeiträge weiter erhöhen werden. Wasem geht davon aus, dass den gesetzlichen Krankenkassen 2020 rund 36,7 Milliarden Euro fehlen werden.

    ver.di macht sich seit langem dafür stark, dass die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung paritätisch, das heißt von Arbeitgebern und Arbeitnehmer/innen gleichermaßen getragen werden. Außerdem schlägt sie eine Bürgerversicherung vor, um die finanzielle Ausstattung der Krankenversicherungen zu verbessern.

    „Wir brauchen die Rückkehr in eine solidarische Finanzierung unserer gesetzlichen Krankenkassen. Es ist einfach sozial ungerecht, dass die Fortschritte in der Medizin einseitig durch Zusatzbeiträge von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern getragen werden. Schließlich profitieren alle vom medizinischen Fortschritt“, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske. Anlass war der Vorstoß des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, der sich für die volle Einbeziehung der Arbeitgeber in die Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen ausgesprochen hat.

    Bsirske betonte, die Forderung eines zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanzierten Krankenkassensystems habe auch mit Blick auf die Bundestagswahl in einem Jahr hohe Priorität für die Gewerkschaften. „Neben einer armutsfesten Rente ist eine solidarische Krankenkassenfinanzierung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unabdingbar für ihre soziale Absicherung. Fifty-fifty – das ist gerecht“, sagte Bsirske.