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    Viele Frauen betroffen

    Zara: Modekette will unbequeme Betriebsräte und Beschäftigte loswerden

    Berlin, 24. März 2016 – Die Textilmodekette Zara will ihr offensichtlich unbequeme Betriebsräte und Beschäftigte loswerden. Erneut versucht das Unternehmen, dem Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats, Festim Lezi, sowie dem Sprecher des Wirtschaftsausschusses, Marco Grüneschild, zu kündigen. Dieses Mal dient als Vorwand eine – bislang nicht ausgeübte – Referententätigkeit der beiden ehrenamtlichen Gewerkschafter für ein Seminar zur Weiterbildung von Betriebsräten. Bereits in der Vergangenheit wollte Zara Lezi und Grüneschild kündigen, war damit aber vor Gericht gescheitert.

    „Offensichtlich versucht Zara, Betriebsräte loszuwerden, die sich immer wieder mit Nachdruck für die Rechte der Beschäftigten einsetzen.“

    Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied

    „Das Vorgehen von Zara ist ein Angriff auf demokratisch gewählte Betriebsräte. Offensichtlich versucht Zara, Betriebsräte loszuwerden, die sich immer wieder mit Nachdruck für die Rechte der Beschäftigten einsetzen“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.  Die Modekette wolle sich scheinbar freie Bahn verschaffen, um möglichst ungestört und zulasten der Beschäftigten bei Umstrukturierungen und Stellenabbau Fakten zu schaffen. „Wir fordern Zara auf, das Kündigungsbegehren zurückzuziehen“, so Nutzenberger.

    ver.di sieht in dem Vorgehen von Zara auch eine Reaktion auf Auseinandersetzungen um Filialschließungen. Die Gewerkschaft und die Betriebsräte kritisieren, dass Zara den Beschäftigten keine adäquaten Ersatzarbeitsplätze anbietet, obwohl diese vorhanden wären. Bundesweit plant Zara derzeit fünf Filialschließungen (2x Köln, 1x Berlin, 1x Hamburg sowie 1x Chemnitz). Betroffen davon sind insgesamt rund 180 Beschäftigte. In der Hamburger Zara-Filiale in der Ottenser Hauptstraße, die Ende Juni 2016 geschlossen wird, erhielten fast alle Beschäftigten eine betriebsbedingte Kündigung. Davon ausgenommen wurde neben einer Mitarbeiterin mit 15 Wochenstunden nur die Filialleitung sowie fünf Beschäftigte in Elternzeit. Unter den 17 Gekündigten befinden sich zwei Schwangere und sechs Frauen mit kleinen Kindern, drei der Frauen waren gewählte Betriebsratsmitglieder. Für alle Gekündigten gab es in vier anderen Hamburger Zara-Filialen angeblich keine Beschäftigungsmöglichkeit.

    In der Kölner Filiale Hohe Straße erhalten die rund 55 Beschäftigten nach Kritik von ver.di zwar alle ein Arbeitsplatzangebot für die neue Filiale in der Schildergasse, die im Mai eröffnen soll. „Aber Zara hat sich geweigert, die bisher existierenden Ansprüche der Beschäftigten mit kleinen Kindern auf familienfreundliche Arbeitszeiten weiterhin zu garantieren. Für 18 Frauen bietet das Arbeitsplatzangebot deswegen keine sichere Perspektive, Zara nimmt auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie keine Rücksicht“, sagte Nutzenberger. Das Unternehmen versuche stattdessen nach wie vor, langjährige Beschäftigte mit guten Arbeitsbedingungen direkt oder durch die Hintertür loszuwerden. „Wir erwarten, dass das Unternehmen umsteuert und seiner sozialen Verantwortung gerecht wird. Das müsste für Herrn Ortega, Zara-Eigentümer und mit geschätzt rund 63 Milliarden US-Dollar einer der reichsten Männer der Welt, eine Selbstverständlichkeit sein“, so Nutzenberger.

    Der spanische Modekonzern Inditex, zu dem Zara gehört, plant zudem auch in Deutschland die Einführung von R.F.I.D-Chips. Diese Funkchips zur Steuerung der Warenhaltung gehen mit Stellenabbau einher. Auch hier gelte es, sozialverträglich und in guter Zusammenarbeit mit den Betriebsräten Lösungen zu finden, sagte Nutzenberger. Das Vorgehen von Zara lasse leider das Gegenteil erwarten.

    Zara-Filiale in Düsseldorf Roland Weihrauch/DPA Zara bietet seinen Beschäftigten keine sichere Perspektive mehr