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    „Irgendetwas mit Sprache“ reicht nicht aus

    ver.di fordert Qualitätsoffensive für Lehrpersonal in Integrationskursen

    Berlin, 21. Oktober 2015 – ver.di kritisiert die neuen, abgesenkten Regelungen zur Zulassung von Lehrkräften in Integrationskursen und fordert eine Qualifizierungsoffensive für dieses pädagogische Personal, das Deutsch als Zweit- bzw. Fremdsprache unterrichtet. Nur so könne dem Mangel an Sprachlehrerinnen und -lehrern abgeholfen und die Qualität des Unterrichts auf hohem Niveau erhalten bleiben, stellte Ute Kittel, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands, anlässlich einer Fachtagung zur Weiterbildung am 20. Oktober in Magdeburg fest.

    Standards auf Jahre geschädigt

    Hintergrund ist, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) angesichts steigender Flüchtlingszahlen mit Wirkung zum 1. September 2015 die Zulassung von Lehrkräften in Integrationskursen neu geregelt hat. Künftig sollen nicht nur Hochschulabsolventinnen und -absolventen aller Fachrichtungen, die 500 Unterrichtsstunden Deutsch gegeben haben, diese Tätigkeit ausüben dürfen. Auch Bewerberinnen und Bewerbern ohne formalen Hochschulabschluss soll dies möglich sein, sofern ihre Ausbildung „irgendetwas mit Sprache“ zu tun hat. Durch die neuen Regelungen werden neue Anbieter von Kursen massiv auf den Markt drängen, die kaum ausgebildete Lehrkräfte gegen niedrigste Entgelte beschäftigen. Das würde die Standards für Jahre schädigen, betonte Ute Kittel. Schon jetzt erhielten Lehrkräfte in Integrationskursen für ihre verantwortungsvolle und hervorragende Facharbeit lediglich Honorare, die netto unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen.

    Emilija Mitrovic, Verdi Landesbezirk Hamburg, zuständig für Frauenprojekte und Migration Andreas Herzau Integration verläuft im Wesentlichen auch über die Sprachvermittlung

    „Deutsch als Zweitsprache zu unterrichten, erfordert eine umfassende Ausbildung und Fachkenntnis. Die Neuregelung wird jedoch dazu führen, dass die Qualität des Sprachunterrichts rapide sinkt, mit erheblichen negativen Folgen für die Teilnehmenden“, sagte Ute Kittel. Zudem sei nicht akzeptabel, dass sich die ohnehin schlechten Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte weiter verschlechtere und ihre Qualifikation abgewertet würde. „Wir erwarten, dass die politisch Verantwortlichen den eingeschlagenen Kurs verlassen und Lösungen anbieten, die die Integration von Flüchtlingen nachhaltig sichern. Der eingeschlagene Weg ist weder im Sinne der Flüchtlinge noch der Lehrenden“, so Ute Kittel.