Eigentum verpflichtet

    Mutiger Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen

    Faire Mode noch Mangelware

    Textilindustrie

    Sie werden nach wie vor miserabel bezahlt, sie leiden unverändert unter ausgesprochen harten Arbeitsbedingungen, aber sie wehren sich mittlerweile organisiert: Arbeiter/innen aus Bekleidungsfabriken in Bangladesch. Zwei von ihnen sind im Moment in deutschen Städten unterwegs, um hier einmal mehr die Wahrnehmung für die Entstehungsbedingungen von Kleidung zu schärfen. Kalpona Akter vom Bangladesh Center for Worker Solidarity (BCWS) und die zufällig namensgleiche Mim Akter, Generalsekretärin (vergleichbar einer Betriebsratsvorsitzenden) der Fabrikgewerkschaft Dress & Dismetic, berichten auf ihrer Reise über die jüngsten Streiks und ihre Folgen sowie über die Probleme, das Brandschutzabkommen Accord über Mai 2018 hinaus zu verlängern.

    Die Polizei geht mit Gummigeschossen auf sie los – protestierende Textilarbeiterinnen in Bangladesch Foto: Abir Abdullah/dpa Die Polizei geht mit Gummigeschossen auf sie los – protestierende Textilarbeiterinnen in Bangladesch


    Auf Einladung des Frauenrechtsvereins Femnet starteten die beiden Aktivistinnen ihre Vortragsreise Mitte Oktober in Berlin mit einem Fachgespräch in der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie Vorträgen an der Akademie Mode und Design und der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Wieviel Mut in Bangladesch dazu gehört, für Entgelterhöhung und bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße zu gehen, verdeutlichte die plakative Schilderung der erfahrenen Streiterin für die Rechte der Arbeiter/innen, Kalpona Akter. Denn auf die Streiks von mehreren tausend Textilarbeiter/innen für einen Mindestlohn von umgerechnet 189 Euro (gezahlt werden derzeit lediglich rund 63 Euro monatlich) im Dezember 2016 reagierten Fabrikbesitzer, Regierung und Polizei mit harter Hand. 1.600 der Streikenden verloren ihre Arbeit und landeten darüber hinaus auf Schwarzen Listen, was die Anstellung in einer anderen Fabrik so gut wie unmöglich gestaltet. „Allerdings bewerben sich manche der Gefeuerten einfach unter einem anderen Namen, um die Schwarze Liste zu umgehen“, so Kalpona Akter. Darüber hinaus landeten einige Gewerkschafter/innen sogar im Gefängnis, und Büros von NGOs, die sich für Arbeitnehmerrechte einsetzen, wurden geschlossen. Erst nach internationalen Protesten kamen die Gewerkschafter/innen nach zweieinhalb Monaten wieder frei.

    Brandschutzabkommen hat gewirkt

    Wie wichtig die Intervention aus den Abnehmerländern der Textilien und insbesondere der Auftraggeber wie Primark, H&M, C&A, KiK und anderen Firmen ist, zeigt sich auch beim zweiten Thema, das die beiden Aktivistinnen auf ihrer Rundreise vorstellen, beim Brand- und Gebäudeschutz für die Textilfabriken in Bangladesch. Auslöser, das derzeit noch geltende Abkommen Accord I in Kraft zu setzen, war der Einsturz der Fabrik Rana Plaza, bei dem 2013 mehr als 1.100 Menschen ihr Leben verloren und viele weitere ihre Gesundheit und Arbeitsfähigkeit. Rund 200 Hersteller von Markentextilien vorwiegend aus Europa unterzeichneten das Abkommen „Bangladesh Fire and Building Safety Accord“, mit dem Sicherheitsuntersuchungen durch unabhängige Einrichtungen ermöglicht wurden. „Tatsächlich kann Accord als bahnbrechend bezeichnet werden“, sagte bei der Auftaktpressekonferenz in Berlin die Vorstandsvorsitzende von Femnet, Gisela Burckhardt. Mehr als 1.800 Fabriken seien mittlerweile auf technische und statische Probleme untersucht, 97 Prozent der gefundenen Mängel abgestellt worden.

    Das eingestürzte Gebäude Rana Plaza in Savar/Bangladesch. Über 1.000 Menschen wurden bisher Opfer der Trümmer EPA/Abir Abdullah/DPA Das eingestürzte Gebäude Rana Plaza in Savar/Bangladesch

    Doch Accord I endet im Mai 2018, soll aber nach dem Willen der NGOs, Gewerkschaften wie auch von 46 Markenherstellern aus Europa, Asien und Nordamerika in Gestalt von Accord II nicht nur verlängert, sondern auch um weitere Aspekte wie sicherere Arbeitsbedingungen und Verbesserung der Arbeiter/innenrechte erweitert werden. „Außerdem soll das Abkommen auch sicherstellen, dass wir uns organisieren können, ohne Repressalien ausgesetzt zu sein“, so Kalpona Akter. Unmittelbar vor Beginn der Informationsreise der beiden Frauen stoppte allerdings die High Court Division, Unterabteilung des Supreme Court von Bangladesch, das Verfahren zur Verabschiedung von Accord II. Angeblich seien die Fabrikbesitzer und die Regierung nicht ausreichend in das Verfahren einbezogen worden. Zunächst bleibt also offen, wann das verbesserte Abkommen in Kraft treten kann. Möglicherweise hilft noch mehr Druck aus den reichen Ländern, in denen die billig gefertigten Textilien massenhaft gekauft werden.

    Weitere Informationen unter www.femnet-ev.de

    Text: Gudrun Giese