Eigentum verpflichtet

    Wieder eine Explosion und Tote

    Gebäude sichern – Menschen schützen

    Todschick – das Buchcover Promo Lesetipp „Todschick“

    6. Juli 2017 | In der Multifabs Ltd. Textilfabrik in Bangladesch ist am Dienstag ein Heizungskessel explodiert, Teile der Fabrik stürzten ein und wieder starben Menschen, mindestens zehn, viele weitere wurden verletzt. Erste Nachforschungen der Clean Clothes Campaign ergaben, dass auch Aldi Nord, Aldi Süd, Metro AG und Takko Einkäufer bei Multifabs Ltd. sind, wie das Netzwerk INKOTA gestern mittteilte. INKOTA und die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) fordern, dringend die Sicherheitsinspektionen auszuweiten.

    Gerade erst am 28. Juni war beschlossen worden, das Abkommen für Brandschutz- und Gebäudesicherheit in der Bekleidungsindustrie (Accord) zu verlängern (nach Ablauf 2018 um weitere drei Jahre). Die erneute Explosion zeigt, wie wichtig zudem auch umfassende Inspektionen sind. Sie macht deutlich, dass dringend etwas getan werden muss, damit Brände und Gebäudeeinstürze mit tausenden von Toten, wie sie schon mehrfach in den Textilfabriken in Bangladesch geschehen sind, aufhören.

    Auf die Verlängerung des Accords hatten ver.di und die Gewerkschaften National Garment Workers Federation (NGWF) aus Bangladesch positiv reagiert. Auch INKOTA betrachtet die Verlängerung als sinnvoll, um strukturelle Verbesserungen zu erreichen. „Der erneute tragische Vorfall zeigt, dass die Anstrengungen seitens der Unternehmen, der Politik und von Initiativen wie dem Accord oder dem Bündnis für nachhaltige Textilien forciert werden müssen“, sagte Berndt Hinzmann von INKOTA in einer Presseerklärung. Es gehe nicht um Minimallösungen, sondern um einen strukturellen Wandel. Für die explodierte Fabrik waren bereits zwei Initiativen für mehr Gebäudesicherheit zuständig, neben dem Accord auch die Allianz for Bangladesh Worker Safety. Die Prüfung von Heizungskesseln war jedoch bisher nicht Teil der Sicherheitschecks. Umfassendere Inspektionen wären hier nötig gewesen – und das gilt auch für alle anderen Fabriken.

    Der Accord bleibt aber ein wichtiger Baustein hin zu mehr Sicherheit: Amirul Hague Amin, Vorsitzender der NGWF, der größten bangladeschischen Bekleidungsgewerkschaft und Kooperationspartner von ver.di im ExChains-Netzwerk, sagte, seine Gewerkschaft begrüße die Verlängerung des Bangladesch-Abkommens. Besonders gegen die Regierung in Bangladesch und die lokalen Unternehmer habe man die Verlängerung durchsetzen müssen. Es sei schon viel erreicht worden, um die Gebäudesicherheit zu erhöhen, gleichzeitig bleibe aber noch einiges zu tun. In diesem Sinne forderte auch ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger von den unterzeichnenden Einkäufern, dass sie die Umsetzung des neuen Accords energisch vorantreiben. „Es darf keine Verzögerungen geben“, sagte sie. Wie eilig es ist, das macht nun das erneute Fabrikunglück auf tragische Weise bewusst.

    Beide Gewerkschaften betonten auch, wie wichtig Entschädigungszahlungen für Arbeiterinnen sind, die aufgrund von Fabrikschließungen oder Umbaumaßnahmen wegen mangelnder Gebäudesicherheit ihren Arbeitsplatz verloren haben. Positiv sei, dass im neuen Accord gewerkschaftliche Zugangsrechte besser garantiert seien. „Das ist auch zwingend notwendig, denn Gewerkschaftsrechte sind Menschenrechte“, sagte Stefanie Nutzenberger. Alle Einzelhandelsunternehmen, die den alten Accord unterzeichnet hatten, müssten nun auch dem neuen Abkommen beitreten. Auch die Kampagne für Saubere Kleidung hat gefordert, dass alle Unternehmen die in Bangladesch produzieren dieses Abkommen unterzeichnen, um weitere Katastrophen zu verhindern. Amirul Hague Amin forderte zudem, das Abkommen auch auf andere Länder in Südasien auszudehnen, darunter Indien, Sri Lanka, Myanmar, Pakistan und Vietnam. Zudem seien bislang viele große US-amerikanische Unternehmen dem Abkommen ferngeblieben, darunter auch solche, die auf dem deutschen Markt präsent sind, wie etwa Nike. Auch diese müssten endlich beitreten.  

    Dhaka/Bangladesch: 2013 nach dem Brand in der SMART-Fabrik DPA Bildfunk Dhaka/Bangladesch: 2013 nach dem Brand in der SMART-Fabrik