Eigentum verpflichtet

    „Gewerkschaftsrechte sind Menschenrechte“

    Abkommen für Gebäudesicherheit verlängert

    30. Juni 2017 | Brände und Gebäudeeinstürze mit tausenden Toten, wie sie in den Textilfabriken in Bangladesch geschehen sind, dürfen sich nicht wiederholen. Das Bangladesch-Abkommen für Brandschutz- und Gebäudesicherheit in der Bekleidungsindustrie (Accord) soll nun verlängert werden. Zur am 28. Juni bekannt gegebenen Entscheidung erklärten die Gewerkschaften National Garment Workers Federation (NGWF) aus Bangladesch und ver.di, dass sie die Verlängerung des Bangladesch-Abkommens positiv sehen.

    Amirul Hague Amin, Vorsitzender der NGWF, der größten bangladeschischen Bekleidungsgewerkschaft und Kooperationspartner von ver.di im ExChains-Netzwerk, sagte, seine Gewerkschaft begrüße es, dass der Accord verlängert wird. Besonders gegen die Regierung in Bangladesch und die lokalen Unternehmer habe man die Verlängerung durchsetzen müssen. Es sei schon viel erreicht worden, um die Gebäudesicherheit zu erhöhen, gleichzeitig bleibe aber noch einiges zu tun.

    „Dass H&M und Inditex mit dabei sind, sehen wir auch als Ergebnis unserer gewerkschaftlichen Zusammenarbeit mit der NGWF und des Drucks der Betriebsräte von H&M und Zara, die sich in den letzten Jahren besonders für menschenwürdiges Arbeiten entlang der Wertschöpfungskette stark gemacht haben.“

    Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied

    ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sagte, sie fordere gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus Bangladesch von den unterzeichnenden Einkäufern, dass sie die Umsetzung des neuen Accords energisch vorantreiben. „Es darf keine Verzögerungen geben“, sagte sie. Beide Gewerkschaften begrüßten es, dass der Accord verbesserte Regelungen enthalte, was Entschädigungszahlungen für Arbeiterinnen anbelangt, die aufgrund von Fabrikschließungen oder Umbaumaßnahmen wegen mangelnder Gebäudesicherheit ihren Arbeitsplatz verloren haben. Zudem werde die Notwendigkeit, gewerkschaftliche Zugangsrechte zu garantieren, im neuen Accord stärker betont.

    „Das ist auch zwingend notwendig, denn Gewerkschaftsrechte sind Menschenrechte“, sagte Nutzenberger. Sie forderte zudem: Nun müssten alle Einzelhandelsunternehmen, die den alten Accord unterzeichnet hatten, auch dem neuen Abkommen beitreten. Darüber hinaus würden weitere Unternehmen gebraucht. Bis zum 29. Juni 2017 hatten weniger als zehn Unternehmen den Accord unterzeichnet. „Dass H&M und Inditex mit dabei sind, sehen wir auch als Ergebnis unserer gewerkschaftlichen Zusammenarbeit mit der NGWF und des Drucks der Betriebsräte von H&M und Zara, die sich in den letzten Jahren besonders für menschenwürdiges Arbeiten entlang der Wertschöpfungskette stark gemacht haben“, sagte Nutzenberger.

    Amirul Hague Amin forderte, das Abkommen auch auf andere Länder in Südasien auszudehnen, darunter Indien, Sri Lanka, Myanmar, Pakistan und Vietnam. So könne der Accord zu einem Modell für bessere und sichere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie in Süd- und Südostasien werden. Bislang seien zudem viele große US-amerikanische Unternehmen dem Abkommen ferngeblieben, darunter auch solche, die auf dem deutschen Markt präsent sind, wie etwa Nike. Auch diese müssten endlich beitreten.

    Wer sich in Bangladesch gewerkschaftlich organisiert, lebt gefährlich Foto: dpa Bildfunk Wer sich in Bangladesch gewerkschaftlich organisiert, lebt gefährlich