Eigentum verpflichtet

    Arbeitsrechtsverletzungen bei Zulieferern früher aufdecken

    Textilindustrie

    KiK und Hugo Boss verweigern Transparenz

    Berlin, 20. April 2017 – Die deutschen Textilunternehmen KiK und Hugo Boss sind der Aufforderung einer internationalen Koalition von neun Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften, sich zu Transparenz in ihren Lieferketten zu verpflichten, nicht gefolgt. Das geht aus dem heute erschienenen englischsprachigen Bericht „Follow the Thread“ hervor. 72 Unternehmen waren aufgefordert, ein Transparenzversprechen abzugeben. 23 dieser Unternehmen geben solche Informationen zu ihren Zulieferern bereits an. Der Bericht zeigt aber, dass viele Unternehmen bisher gar keine oder nur unzureichende Informationen zur Verfügung stellen.

    Velo-Taxis erinnern Kik an noch nicht gezahlten Schadensersatz Foto: Christian Jungeblodt Velo-Taxis erinnern Kik an noch nicht gezahlten Schadensersatz

    Als einzige deutsche Unternehmen haben sich bisher Adidas und Esprit neben 15 weiteren Unternehmen darauf festgelegt, den sogenannten Transparency Pledge bis Ende 2017 umzusetzen. Die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC), der auch ver.di angehört, fordert KiK und Hugo Boss auf, diesem positiven Beispiel zu folgen. Informationen über Fabriken, in denen Markenkleidung hergestellt wird, helfen lokalen und internationalen NGOs dabei, Missstände und Arbeitsrechtsverletzungen bei Zulieferern früher aufzudecken.

    Unbequeme Informationen, aber wichtige

    Lidl, Aldi und Tchibo haben erste Schritte eingeleitet und wollen nun zumindest Namen und Adressen ihrer Zulieferfabriken weltweit veröffentlichen. „Einige deutsche Unternehmen bewegen sich in die richtige Richtung. Sie müssen aber sicherstellen, dass sie detailliertere Angaben zu ihren Zulieferern machen und auch Informationen zu ihren Sublieferanten veröffentlichen“, sagt Gisela Burckhardt von FEMNET, ebenfalls Mitglied der Kampagne für Saubere Kleidung. Laura Ceresna-Chaturvedi von der CCC betont: „KiK und Hugo Boss dürfen nicht länger hinterherhinken, sondern müssen dem Trend von transparenten Lieferketten folgen.“ Laut Esprit ist „die Veröffentlichung solcher Informationen für manche Unternehmen durchaus unbequem, aber es ist an der Zeit, transparenter zu werden“.

    „Bei Rana Plaza mussten die Helfer in den Trümmern nach Firmenetiketten und anderen Beweisen suchen. Soweit darf es nie wieder kommen.“

    Berndt Hinzmann von Inkota

    Am 24. April jährt sich der Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes in Bangladesch zum vierten Mal. Bei dem Unglück in der Textilfabrik kamen über 1.100 Arbeiter/innen ums Leben und mehr als 2.000 wurden verletzt. Zum Zeitpunkt dieser Katastrophe waren kaum Informationen über die Unternehmen, die dort ihre Kleidung produzieren ließen, öffentlich verfügbar. „Bei Rana Plaza mussten die Helfer in den Trümmern nach Firmenetiketten und anderen Beweisen suchen. Soweit darf es nie wieder kommen. Der Transparency Pledge ist dringend nötig, um die verantwortlichen Unternehmen haftbar machen zu können“, sagt Berndt Hinzmann von Inkota.