Eigentum verpflichtet

    Ali Enterprises – fünf Jahre nach dem Brand

    Todesfalle Fabrik

    Berlin, 11. September 2017 – Auch am fünften Jahrestag des Brands in der Ali Enterprises-Fabrik in Pakistan mit 250 Opfern fehlt die Aussicht auf sichere Arbeitsplätze in der pakistanischen Textilindustrie: Durch fehlende Sicherheitsinspektionen sind tausende pakistanische Textilarbeiter/innen täglich dem Risiko ausgesetzt, sich zu verletzen oder gar zu sterben. So lautet die Bilanz der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC). Karamat Ali vom Pakistani Institute of Labour Education & Research (PILER) sagt: „Die pakistanische Textilindustrie braucht dringend Sicherheitsinspektionen nach internationalen Standards, damit die Fabriken keine Todesfallen bleiben.”

    Die Textilfabrik Ali Enterprises in Karatschi/Pakistan nach dem Brand im September 2012 Hasnain Kazim Die Textilfabrik Ali Enterprises in Karatschi/Pakistan nach dem Brand im September 2012

    Der deutsche Discounter KiK – der derzeit einzige deutsche Einkäufer bei Ali Enterprises – hat kürzlich ein Sicherheitsprogramm eingeführt. Nur: Das System ist sehr undurchsichtig und trägt niemanden gegenüber Rechenschaft. Nasir Mansoor vom pakistanischen Gewerkschaftsbund National Trade Union Federation (NTUF) sagt: „KiK weiß doch aus der Erfahrung mit Ali Enterprises, dass diese unzuverlässigen Auditprogramme nichts bringen und Fabriken nicht sicherer machen. Das Unternehmen sollte aus der Vergangenheit lernen und Inspektionen einführen, die zuverlässig und transparent sind.“ KiK produziert auch weiterhin einen Großteil seiner Kleidung in Pakistan und trägt damit die Verantwortung, Fabriken in dem Land sicherer zu machen.

    Der Einsturz des Rana Plaza Gebäudekomplex in Bangladesch 2013 führte zu einem rechtlich verbindlichen, transparenten System von Inspektionen entlang international anerkannter Sicherheitsstandards, dem Bangladesch Accord. „Der schlimmste Fabrikbrand in der industriellen Geschichte Pakistans hätte eigentlich zu einem ähnlichen System führen sollen. Jedoch gab es in den letzten fünf Jahren keine Ambitionen, gravierende Sicherheitsmängel in den Fabriken zu beheben“, sagt Berndt Hinzmann vom INKOTA-Netzwerk.

    „Solange Pakistan nicht endlich selbst glaubwürdige und rechenschaftspflichtige Systeme einführt, die auf finanzielle Unterstützung der Markenunternehmen für Inspektionen und Mängelbehebung aufgebaut sind, bleibt das Leben der Arbeiter/innen am Arbeitsplatz bedroht”

    Laura Ceresna-Chaturvedi, Kampagne für Saubere Kleidung

    „Der Bangladesch Accord für Brandschutz und Gebäudesicherheit ist ein richtiger Schritt weg vom klassischen Konzept ‘Auditieren und Ignorieren’ hin zu Inspektionen und erfolgreicher Mängelbehebung. Solange Pakistan nicht endlich selbst glaubwürdige und rechenschaftspflichtige Systeme einführt, die auf finanzielle Unterstützung der Markenunternehmen für Inspektionen und Mängelbehebung aufgebaut sind, bleibt das Leben der Arbeiter/innen am Arbeitsplatz bedroht”, so Laura Ceresna-Chaturvedi von der Kampagne für Saubere Kleidung.  

    Betroffene warten noch immer auf Entschädigung

    Am vierten Jahrestag des Fabrikbrands 2016 wurde ein Entschädigungsplan für ausgefallende Löhne und Behandlungskosten verabschiedet. KiK sicherte damals zu, fünf Millionen US-Dollar zu bezahlen, die von der Internationalen Organisation für Arbeit (ILO) an die Opfer ausgezahlt werden sollen. Die CCC hofft, dass die betroffenen Familien nun endlich ihre Entschädigung erhalten. Saeeda Khatoon, die ihren Sohn bei dem Brand verlor und Vertreterin der Opfervereinigung Ali Enterprises Factory Fire Affectees Association ist, sagt: „Wir haben unsere Familienmitglieder bei dem tödlichen Brand vor fünf Jahren verloren, jetzt ist es an der Zeit, dass wir endlich die vereinbarte Entschädigung erhalten. Markenunternehmen müssen Arbeitsrechte achten – auch das Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz.”