Eigentum verpflichtet

    Kleidungsindustrie muss endlich Verantwortung übernehmen

    Sie stehen immer noch vor dem Nichts

    Berlin, 24.3.2014 | Am 24. April wird sich das schwerste Unglück in der Textilindustrie zum ersten Mal jähren: das Unglück von Rana Plaza in Bangladesch, bei dem über 1.130 Menschen starben und über 1.500 teilweise schwerstverletzt wurden. Ab heute können sich die Opfer für den Entschädigungsprozess registrieren lassen, am Jahrestag selbst werden die Familien eine erste Vorauszahlung von ca. 465 Euro erhalten. Mit der Anzahlung sollen unter anderem Konten für die Empfänger eingerichtet werden. Die gesamte Entschädigung soll nach Registrierung der Ansprüche berechnet werden und in Raten ausgezahlt werden. Gebraucht werden insgesamt 40 Millionen US-Dollar.

    Das eingestürzte Gebäude Rana Plaza in Savar/Bangladesch. Über 1.000 Menschen wurden bisher Opfer der Trümmer EPA/Abir Abdullah/DPA Das eingestürzte Gebäude Rana Plaza in Savar/Bangladesch


    Der von der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) koordinierte Entschädigungsfonds für die Opfer der Rana Plaza Katastrophe ist jedoch auch einen Monat vor dem Jahrestag nur unzureichend gefüllt. Noch immer fehlen mehr als 30 Millionen US-Dollar. Insgesamt 10 Millionen US-Dollar zahlt die irische Billigkette Primark an Entschädigungen, wobei nur eine Million in den Fonds fließen. Neun Millionen sollen direkt an Familien der Opfer sowie an 580 Arbeiter gehen, die für einen Zulieferer im zweiten Stock des Gebäudekomplexes Rana-Plaza gearbeitet hatten. Die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC, Clean Clothes Campaign) fordert insbesondere die verantwortlichen deutschen Firmen auf, endlich substantielle Zahlungen zu leisten.

    1,5 Milliarden Euro Ausschüttung für Anteilseigner, keinen Cent für die Opfer

    KiK gibt an, in den Fonds eingezahlt zu haben – es fehlt aber die Bestätigung der ILO. Auch ist die überwiesene Summe des Discounters unbekannt. Alle anderen deutschen Unternehmen (Adler Modemärkte, NKD, Kids for Fashion und Güldenpfennig) weigern sich zu zahlen. Das gilt auch für auf dem deutschen Markt präsente Firmen wie Benetton.

    „Während Adler seinen Gewinn im Jahr 2013 auf 18,6 Millionen Euro um 84 Prozent gegenüber 2012 erhöhen konnte, konnte sich das Unternehmen bisher nicht dazu durchringen, in den Entschädigungsfonds einzuzahlen. Das ist ein Skandal,“ so Gisela Burckhardt von der Kampagne für Saubere Kleidung. Auch die Zara-Mutterfirma Inditex, hat Milliardenumsätze mit Textilien gemacht haben. Inditex gab unlängst bekannt, es werde rund 1,5 Milliarden Euro an die Anteilseigner ausschütten.

    Wenn Firmen wie Adler Modemärkte, Kik, Inditex oder Benetton nicht bald substantielle Beträge in den Fonds einzahlen, sind die Entschädigungen der Verletzten und Hinterbliebenen gefährdet. Sie oder ihre Angehörigen haben für Hungerlöhne für den Profit dieser Firmen genäht und stehen nun vor dem Nichts. Um ihrer Forderung nach Entschädigung Nachdruck zu verleihen wird vom 9. bis zum 12. April eine die Katastrophe von Rana Plaza überlebende Näherin zu Gast in Deutschland sein