Internationales

    Nur menschenwürdige Arbeit ist Gute Arbeit

    Tag für Gute Arbeit

    A Bangladeshi child worker poses during a break as he makes aluminium bowls at a small factory in Dhaka, Bangladesh, 25 August 2014. The workers get 2/3 euro per day while they work in unsafe conditions. Foto: Abir Abdullah/dpa Armes Kind: Kinderarbeit in einer Fabrik in Bangladesh, die Aluminium verarbeitet

    Mehr als 45 Millionen Menschen weltweit leben laut Global Slavery Index der australischen Menschenrechtsorganisation Walk Free Foundation im Jahr 2016 als Sklaven, zwei Drittel davon in Asien. Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) nennt als die zehn schlimmsten Länder der Welt für erwerbstätige Menschen: Weißrussland, China, Kolumbien, Kambodscha, Guatemala, Indien, Iran, Katar, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Ob moderne Sklaverei oder mieseste Arbeitsbedingungen, in diesen Ländern haben die Arbeitnehmer/innen nur sehr geringe Chancen ihre Löhne und Arbeitsbedingungen zu verhandeln. Kritische und aktive Beschäftigte, die für ihre Rechte kämpfen, werden mit Haftstrafen eingeschüchtert. Die Grundrechte sind stark eingeschränkt. Ein Beispiel ist der Aufbau der Infrastruktur für die Fußballweltmeisterschaft in Katar. Der IGB spricht hier von 1,8 Millionen Wanderarbeitskräften, die wie moderne Sklaven behandelt werden.

    Welttag

    Um weltweit für menschenwürdige Arbeit zu kämpfen, hat der IGB seit 2008 alljährlich den 7. Oktober als Welttag für menschenwürdige Arbeit, auch Tag für Gute Arbeit, ausgerufen. An diesem Tag setzen sich weltweit Menschen für menschenwürdige Arbeit ein, für die Abschaffung von Kinderarbeit, für Schutzrechte am Arbeitsplatz, für gleiche Rechte für Frauen und für Lohngerechtigkeit. Am Welttag für Gute Arbeit machen Gewerkschaften weltweit mobil. Überall beteiligen sich Menschen in Form von Aktionen, Demonstrationen, Flashmobs und Protestbriefen. Der DGB und seine Gewerkschaften unterstützen den Welttag für Gute Arbeit und fordern eine soziale Welt, in der die grundlegenden Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern überall respektiert werden, in der Kinder- und Sklavenarbeit abgeschafft ist und es gerechte Löhne und gute Arbeit gibt.
    Weltweite Aktionen zum World day for decent work

    Schutz durch Gewerkschaften

    In Deutschland können sich die Menschen auf viele Schutzrechte und soziale Errungenschaften vor allem deshalb verlassen, weil es hier starke Gewerkschaften gibt. Und doch ist auch in Deutschland noch längst nicht jede Arbeit automatisch Gute Arbeit. Doch es gibt in vielen Einzelaspekten gute Arbeitsbedingungen. So gibt es vor allem immer dann gute Löhne, wenn Gewerkschaften viele Mitglieder haben und gute Tarifverträge erkämpfen konnten. Doch es gibt noch immer viel zu viele Menschen, die prekäre Arbeit haben und wenig verdienen. Das mindeste an Schutz, eine untere Haltelinie – der sogenannte Mindestlohn, musste hart erkämpft werden. Ein Jahrzehnt dauerte es von der Gewerkschaftsinitiative durch ver.di und NGG bis zum gesetzlichen Mindestlohn, der am 1. Januar 2015 mit 8,50 Euro in Kraft trat. Und auch der Urlaub fiel nicht vom Himmel, sondern ist den Gewerkschaften zu verdanken, die ihn über Jahrzehnte erstritten haben.
    Mehr erfahren: ver.di Themen

    Neben einem Lohn, von dem man leben kann, sind weitere Bedingungen für Gute Arbeit wichtig. So arbeiten viele Menschen in Deutschland unter enormem Stress, und der nimmt weiter zu. Oft haben Beschäftigte keine Zeit mehr für eine Pause, leisten unbezahlte Überstunden und gehen krank zur Arbeit. Um festzustellen, wie gut oder schlecht die Arbeitsbedingungen in Deutschland sind, befragt der DGB seit 2007 mit dem DGB-Index Gute Arbeit alljährlich die Beschäftigten nach ihrer Arbeit, denn sie sind in dieser Hinsicht die Experten. In die Beurteilung fließen elf Kriterien ein, unter anderem der so wichtige Aspekt Einkommen und die damit verbundene spätere Rente. Weitere Aspekte sind die Sicherheit des Arbeitsplatzes, Belastungen am Arbeitsplatz, das Betriebsklima, Weiterbildungsmöglichkeiten und auch der Sinn der Arbeit.

    Auch ver.di setzt sich seit Jahren intensiv für Gute Arbeit ein. Der letzte ver.di-Kongress 2015 hat beschlossen, die Aktivitäten für Gute Arbeit weiter auszubauen und dabei auch die Digitalisierung in den Fokus zu rücken. Dazu gehören die Veränderungen durch die Digitalisierung an bisherigen Arbeitsorten und die neuen Arbeitsplätze durch Crowdworking. Arbeit befindet sich im Wandel. Diesen Wandel will ver.di begleiten. Hierbei gibt es viel zu verteidigen und neu zu regeln, damit die Beschäftigten auch künftig noch Schutzrechte genießen können, einen Lohn haben, von dem sie leben können und sozial abgesichert sind.

    Wie wichtig es ist, die Veränderung der digitalen Arbeitswelt zu begleiten, macht wohl am besten die Negativauszeichnung des Big Brother Award aus 2015 deutlich. Ein Ableger des Amazon-Konzerns bekam den Preis in der Kategorie Wirtschaft zusammen mit dem Unternehmen Elance-oDesk für die Umsetzung des digitalen Tagelöhnertums, bei dem „Job-Häppchen ohne Mindestlohn, ohne Krankenversicherung, ohne Urlaubsanspruch und ohne Solidarität … als ‚Freiheit‘, ‚Flexibilität‘ und ‚flache Hierarchien‘ verkauft [werden]“.

    Menschen nehmen am 18.März 2016 an einer Kundgebung des Deutschen Frauenrats, des Sozialverbands Deutschland und des DGB zum Equal Pay Day „Recht auf mehr!“ vor dem Brandenburger Tor in Berlin teil Foto: Wolfgang Kumm/dpa Kundgebung zum Equal Pay Day in 2016 – der nächste Equal Pay Day findet am 18. März 2017 statt  – Menschen nehmen am 18. März 2016 an einer Kundgebung des Deutschen Frauenrats, des Sozialverbands Deutschland und des DGB zum Equal Pay Day „Recht auf mehr!“ vor dem Brandenburger Tor in Berlin teil

    Selbsttest Gute Arbeit

    Wer wissen möchte, wie gut seine Arbeit ist, kann auf den Seiten des DGB einen Online-Selbsttest machen. Dazu müssen 42 Fragen beantwortet werden, zum Beispiel zur Arbeitsplatzsicherheit, zum Betriebsklima, zum Sinngehalt der Arbeit und zur Belastungssituation – wie etwa den emotionalen und körperlichen Anforderungen, der Arbeitszeitlage und der Arbeitsintensität.

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