Internationales

    Abgeraucht

    Nachlese zu den Blockupy-Protesten

    Text und Fotos von Christian Jungeblodt

    Frankfurt/Main, 19. März 2015 | Für den Tag der Einweihung des neuen Hauptquartiers der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main hatte das linke Blockupy-Bündnis zu Protesten und Blockaden aufgerufen, weil viele Menschen in Europa eine grundlegend andere Politik wollen. Die von Internationalem Währungsfond (IWF), EU-Kommission und EZB diktierte Sparpolitik stürze „Millionen Menschen in vielen Ländern Europas in Not und Elend“, so das Bündnis in seinem Aufruf.

    Bilder, die um die Welt gehen – Rauch im Frankfurter Bankenviertel zur Eröffnung der neuen EZB Christian Jungeblodt Bilder, die um die Welt gehen – Rauch im Frankfurter Bankenviertel zur Eröffnung der neuen EZB

    In Sichtweite des 1,3 Milliarden teuren Neubaus der EZB wurden die Polizei und die Öffentlichkeit am 18. März frühmorgens von kleinen autonomen Gruppen komplett überrumpelt, Polizeiwagen wurden in Brand gesetzt, Schaufensterscheiben entglast und Barrikaden aus Mülltonnen und Baumaterial errichtet. Schon wenig später gingen diese Bilder um die Welt und rückten die Blockupy-Bewegung, die sich im Prinzip nicht von dieser Zerstörungswut distanziert, nachhaltig in ein schlechtes Licht.

    Auch für Alexander Klein, stellvertretender ver.di-Bezirksgeschäftsführer Frankfurt, beginnt dieser wichtige Protesttag mit einem Schock. Einige Hunderte ver.dianer/innen aus ganz Deutschland, darunter viele Jugendliche, sind nach Frankfurt angereist, um friedlich zu demonstrieren. „Ich sehe jetzt schon kommen, dass mich viele Mitglieder fragen werden, warum wir bei diesen Aktionen mitmachen, bei denen es zu derartigen Ausschreitungen kommt. Um Inhalte geht es jetzt erst mal nicht mehr, sondern nur noch um die Randale.“ Dabei fordert selbst der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske angesichts der Lage in Griechenland einen Kurswechsel für ganz Europa: „Die Sparpolitik widerspricht jeder ökonomischen Vernunft und sie verschärft die Umverteilung von unten nach oben. Wir müssen über Ländergrenzen hinweg gemeinsam für ein demokratischeres und sozialeres Europa kämpfen“, sagte er anlässlich der Sitzung der Finanzminister der Eurogruppe Mitte Februar.

    DGB-Demonstration zur Eröffnung der neuen Europäischen Zentralbank Christian Jungeblodt DGB-Demonstration zur Eröffnung der neuen Europäischen Zentralbank


    Um die Mittagszeit, als die Ausschreitungen bereits seit Stunden beendet sind und die Polizei die Lage im Griff hat, startet schließlich die zentrale DGB-Demonstration mit Beteiligung verschiedener politischer und gesellschaftlicher Gruppierungen. Etwa 2.000 Menschen ziehen unter dem Motto „STOP Austerität und Sparpolitik“ friedlich durch die Frankfurter Innenstadt zum Römer zur zentralen Kundgebung des Blockupy-Bündnisses. Viele Redner/innen, darunter auch Sahra Wagenknecht von der Linkspartei und die Kapitalismuskritikerin und Autorin Naomi Klein fordern ein Ende der ungerechten, europäischen Politik auf dem Rücken der Bürger/innen. Am Beispiel Griechenland sei diese antidemokratische Politik der Troika derzeit am deutlichsten. Der Wahlsieg der Syriza in Griechenland und die starke Podemos-Bewegung in Spanien sind hier die Hoffnung für eine neue soziale Politik in Europa.

    Bis zum frühen Abend versammeln sich rund 20.000 Menschen auf dem Römer, um dann abschließend völlig friedlich zur Alten Oper zu ziehen. Naomi Klein gibt den europäischen Politikern und den Bankern in der EZB am Römer noch eine Botschaft – eingehend auf den Zusammenhang zwischen Austeritäts- und gescheiterter Umweltpolitik – mit auf den Weg. „Ihr seid die wahren Randalierer – Ihr randaliert nur auf einer viel größeren Skala. Euer Vandalismus ist planetarer Vandalismus.“

    Der friedliche Protest von 20.000 Menschen gegen die Europäische Zentralbank Christian Jungeblodt Der friedliche Protest von 20.000 Menschen gegen die Europäische Zentralbank

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