Internationales

    Gegen Doppelstandards bei der Telekom

    Zusammen sind wir besser

    Berlin, 20. Mai 2014 | Sie singen auf Kisuaheli, tanzen in Saris und halten stürmische Reden auf Englisch. Am 20. Mai 2014, dem ersten heißen Sommertag des Jahres, haben sich etwa 400 Demonstrierende aus allen Ecken der Welt vor der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom zusammengefunden. Es sind Delegierte des Kongresses vom Internationalen Gewerkschaftsbund ITUC, der zeitgleich in Berlin stattfindet. So unterschiedlich ihre Herkunft auch ist, die Botschaft der Gewerkschafter/innen an die Deutsche Telekom ist eindeutig: Sie werden die Doppelstandards des weltweit agierenden Telekommunikationsriesen nicht dulden.

    Zusammen sind sie besser – auch sie unterstützen die T-Mobile-Aktivisten von „We expect better“ Christian Mang Zusammen sind sie besser – auch sie unterstützen die T-Mobile-Aktivisten von „We expect better“


    Denn die Arbeitsbedingungen bei der Telekom unterscheiden sich von Land zu Land stark. Besonders in den USA kämpfen die Mitarbeiter/innen der Telekom-Tochter T-Mobile US gegen das gewerkschaftsfeindliche Verhalten ihres Arbeitsgebers und für gesicherte Arbeitsverhältnisse.

    Wie T-Mobile US gegen gewerkschaftlich engagierte Mitarbeiter vorgeht


    In der bunten Menge steht auch Joshua Coleman, ehemaliger Mitarbeiter der T-Mobile US. Er verlor seinen Job, weil er sich offen zu seiner Gewerkschaft CWA bekannte: ein T-Shirt mit der Aufschrift „We expect better“ war für die T-Mobile US Anlass genug, den Callcenter-Mitarbeiter vor die Tür zu setzen. Während Joshua seine Geschichte erzählt, schallen immer wieder Sprechchöre durch die Straße: „International Solidarity“. Diese Solidarität wird nicht nur gefordert, sondern gelebt. Denn hinter Joshua steht eben nicht nur seine Gewerkschaft CWA.

    „Die Unterstützung, die wir von unseren deutschen ver.di-Kollegen bekommen, ist unheimlich wertvoll. Das muss mal gesagt werden.“

    Joshua Coleman, ehemaliger Mitarbeiter der T-Mobile US

    Schon seit Jahren kämpft ver.di gemeinsam mit den amerikanischen Kolleg/innen dafür, die Gewerkschaft auch bei der US-Tochter T-Mobile in die Betriebe zu bringen. Joshua steht heute nicht nur vor der Konzernzentrale der Deutschen Telekom, um seinen Unmut über deren Geschäftspolitik deutlich zu machen. Er ist auch dankbar: „Die Unterstützung, die wir von unseren deutschen ver.di-Kollegen bekommen, ist unheimlich wertvoll. Das muss mal gesagt werden.“

    Auch der Blick auf die Bühne zeigt die funktionierende Zusammenarbeit. Hier stehen die Namhaften der internationalen Gewerkschaftsbewegung Schulter an Schulter um das Klima der Angst, das die T-Mobile US unter ihren Beschäftigten verbreitet anzuprangern. Philip Jennings von der UNI Global Union, dem weltweiten Dachverband der Gewerkschaften des privaten Dienstleistungsgewerbes, macht deutlich dass es keine Schlupflöcher für international arbeitende Konzerne wie die Deutsche Telekom geben darf. „We are global, we are local“, sagt er und erntet stürmischen Applaus. Auch während der eindringlichen Rede von Larry Cohen, dem Präsidenten der amerikanischen Gewerkschaft CWA, sind immer wieder hoch gereckte Arbeiterfäuste als Zeichen der Zustimmung in der Menge zu sehen. „Mr. Höttges you can´t hide“, Herr Höttges, Sie könnnen sich nicht verstecken, ruft Larry Cohen und wendet sich damit an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom. Doch der ist nicht anwesend und überlässt es seinem Mitarbeiter Dietmar Frings, die Unterschriftenliste mit den Forderungen der internationalen Gewerkschaftsvertreter entgegenzunehmen.

    „Das ist einfach ein Ausdruck von Menschlichkeit.“

    Lothar Schröder, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands

    Obwohl Frings die Bühne schnell und ohne Kommentar wieder verlässt, bleibt er doch bis zum Ende der Protestveranstaltung und hört sich alle Reden an. Lothar Schröder, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands, fordert, dass sich der Mutterkonzern Deutsche Telekom für Respekt, Anstand und Neutralität gegenüber gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern bei ihrer Tochter T-Mobile US stark macht: „Das ist einfach ein Ausdruck von Menschlichkeit.“

    Text: Maren Skambraks

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