Internationales

    Unternehmen wie H&M oder Zara stehen in der Verantwortung

    Textilarbeiterinnen fordern mehr Geld und kassieren Schläge

    Berlin, 24. Januar 2017 | ver.di solidarisiert sich weiterhin mit den Textilarbeiter/innen in Bangladesch. Bereits am 11. Dezember letzten Jahres haben dort in Ashulia, im größten Industriegebiet in der Nähe der Hauptstadt Dhaka, mehr als 20.000 Textilarbeiter/innen begonnen für einen höheren Mindestlohn zu streiken. Ihrem Streik haben sich inzwischen landesweit hunderttausende Beschäftige in der Textilindustrie angeschlossen.

    „Sie stellen falsche Strafanzeigen, benutzen ihre Parteiaktivisten als Schläger und entlassenen Arbeiter/innen, um diese Bewegung zu sabotieren.“

    Joly Talukder, Vorsitzende der Garment Workers’ Trade Union Centre (GWTUC)

    Unternehmen sowie staatliche Behörden reagierten auf die Proteste mit massiven Einschüchterungsversuchen: Rund 200.000 Beschäftigte wurden ausgesperrt, die Polizei feuerte Gummigeschosse auf Protestierende und nahm Beschäftigte und Gewerkschaftsvertreter fest. „Wir sind wenig überrascht, dass die Fabrikbesitzer und die Regierung Hand in Hand arbeiten, um die Bewegung der Arbeiter/innen zu unterdrücken, indem Gewerkschaftsführer/innen, Aktivisten sowie Arbeiter/innen verfolgt werden. Sie stellen falsche Strafanzeigen, benutzen ihre Parteiaktivisten als Schläger und entlassenen Arbeiter/innen, um diese Bewegung zu sabotieren“, sagte Ende Dezember Joly Talukder, die Vorsitzende der Textilarbeiterinnen-Gewerkschaft, der Garment Workers’ Trade Union Centre (GWTUC). Insgesamt sollen bisher rund 3.500 Textilarbeiterinnen entlassen worden sein.

    „ver.di solidarisiert sich mit den Streiks und Forderungen der Bekleidungsarbeiterinnen in Ashulia nach einer Erhöhung des Mindestlohns. Die im Zuge der Streiks entlassenen Arbeiterinnen, es sind vor allem Frauen, müssen wieder eingestellt und inhaftierte Gewerkschafter freigelassen werden. Die Repression muss aufhören“, sagt Stefanie Nutzenberger, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand.

    Derzeit liegt der Mindestlohn in Bangladesch bei etwa 65 Euro im Monat. Die Textilarbeiter/innen und die GWTUC fordern eine Verdreifachung dieses Lohns, nachdem die Preise für Grundnahrungsmittel und Alltagsgegenstände derart angestiegen sind, dass der bestehende Mindestlohn nicht mehr zum Auskommen reicht. ver.di sieht auch internationale Bekleidungsunternehmen wie H&M, Zara oder GAP in der Verantwortung, die in bestreikten Firmen produzieren lassen. Einige Unternehmen haben zwar die Regierung zum Dialog aufgefordert, aber sie profitieren eben von niedrigen Löhnen und niedrigen Einkaufspreisen. Die Wahrnehmung sozialer Verantwortung wurde so bis heute nicht wirklich umgesetzt.

    Mitmachen und Online-Petition unterzeichnen

    Dafür braucht es auch starke Gewerkschaften. ver.di arbeitet seit Jahren im ExChains-Netzwerk mit Gewerkschaften aus Indien, Bangladesch und Sri Lanka zusammen (www.exchains.org). „Durch die Zusammenarbeit wollen wir den Aufbau von Gewerkschaften entlang der Zulieferkette stärken. Wir werden weiterhin die Unternehmen auffordern, Verantwortung zu übernehmen, und wir werden uns für den Schutz aktiver Gewerkschafter einsetzen“, so Nutzenberger. Zuletzt hatte ver.di im Oktober 2016 mit einer Delegation mehrere Länder in der Region besucht.

    ver.di unterstützt zudem eine Online-Petition, die die internationalen Gewerkschaftsdachverbände IndustriAll Global Union, UNI Global Union sowie das Informationsportal LabourStart geschaltet haben, um die sofortige Freilassung der inhaftierten Gewerkschafter und ein Ende der Repression gegen die Textilarbeiterinnen zu erreichen.

    Zur Online-Petition

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