Internationales

    Polizeiknüppel statt Gespräche

    Gefeuerte Klinikmitarbeiter in Istanbul wehren sich mit Mahnwache

    Istanbul | Seit nunmehr 50 Tagen halten knapp 100 Mitarbeiter/innen des Istanbuler „Özel Maltepe Universitesi Hastanesi“ – Privates Universitätskrankenhaus Maltepe – eine Mahnwache vor ihrem Krankenhaus. Ein Teil von ihnen ist Tag und Nacht da, auch wenn Minustemperaturen herrschen oder Schneeregen es draußen richtig ungemütlich macht. Der Grund für die Aktion ist einfach: Die Mitarbeiter wurden über Nacht, am 6. Dezember 2014, gefeuert.

    Klinikbeschäftigte vor dem Maltepe-Krankenhaus copyright: DISK Klinikbeschäftigte vor dem Maltepe-Krankenhaus


    Auch wenn das Krankenhaus es bestreitet, der Grund für die fristlosen Entlassungen ist, dass die Arbeiter und Angestellten der „Dev Saglik Is“ Gewerkschaft beigetreten waren, die seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts Krankenhausmitarbeiter hauptsächlich in den großen türkischen Städten vertritt. „Seit Monaten hatten wir mit der Krankenhausleitung über geringfügige Lohnerhöhungen gesprochen“, erzählt Aslan, einer der Organisatoren der Mahnwache, „aber als die Klinikleitung erfahren hat, dass wir mit der Gewerkschaft zusammen arbeiten wollen, war es aus.“

    „Eigentlich ging es nur um eine geringfügige Lohnerhöhung und etwas Fahrgeld, doch nachdem wir in die Gewerkschaft eingetreten waren, wollten sie uns sofort loswerden.“

    Aslan, Klinikmitarbeiter in Istanbul

    Bei den Entlassenen handelt es sich um Reinigungskräfte und Hilfspfleger/innen, die das Klinikunternehmen jetzt durch Leiharbeiter eines Subunternehmers ersetzen will. Die Klinik, die zur privaten Maltepe Universität gehört, weigert sich hartnäckig, die Wiedereinstellung der gefeuerten Mitarbeiter auch nur zu diskutieren. Aslan ist seit 2 Jahren an der Uniklinik in Maltepe. Andere die jetzt entlassen wurden, sind seit 10 oder sogar 15 Jahren bei der Klinik beschäftigt. „Eigentlich ging es nur um eine geringfügige Lohnerhöhung und etwas Fahrgeld“, sagt er, „doch nachdem wir in die Gewerkschaft eingetreten waren, wollten sie uns sofort loswerden“.

    Der Fall der Krankenhausmitarbeiter in Istanbul ist in der Türkei leider nichts Besonderes. Immer wieder versuchen Betriebe eine gewerkschaftliche Organisierung ihrer Beschäftigten zu verhindern und werfen Gewerkschaftsaktivisten einfach raus, bevor die Organisation im Betrieb stark wird. Gesetzlich ist das verboten, aber die Betriebe schieben wie jetzt auch die Uniklinik einfach andere Gründe vor. Selbst wenn die Betroffenen vor Gericht Recht bekommen, werden sie meistens nicht wieder eingestellt sondern erhalten eine Abfindung.

    In Maltepe werden die entlassenen Mitarbeiter von einem großen Teil des medizinischen Personals der Klinik unterstützt. „Nach jeder Schicht kommen Ärzte und Krankenschwestern bei uns vorbei und versichern uns ihre Solidarität“, sagt Aslan. Das ist kein Wunder, denn die sogenannten Reinigungskräfte leisten in den meisten Kliniken weit mehr als nur die Böden zu säubern. Sie transportieren die Kranken, sie helfen den Schwestern und oft übernehmen sie auch deren Aufgaben, weil es meistens an Schwestern fehlt. Das können Leiharbeiter gar nicht leisten, weshalb die Ärzte ihre Hilfspfleger natürlich behalten wollen.

    Doch die Uniklinik bleibt bislang hart. Am Freitag letzter Woche wollten die Entlassenen zusammen mit einigen Unterstützern im Rektorat eine Unterschriftenliste abgeben, auf der mehrere tausend Menschen gegen die Entlassungen protestieren. Vor dem Rektoratsgebäude erwartete sie jedoch nicht eine Delegation der Universität, sondern die Polizei. Es kam zu Rangeleien und Schlägen mit Polizeiknüppeln, die Unileitung verweigerte die Annahme der Unterschriftenlisten. Die Gewerkschaft „Dev Saglik Is“, die zum linken Gewerkschafsdachverband DISK gehört, versucht nun die verbündeten Gewerkschaften und die Oppositionsparteien zu mobilisieren. Die Bezirksstadtverwaltung von Maltepe, die von der oppositionellen CHP gestellt wird, ist bereits mit täglichen Essenslieferungen an die Teilnehmer der Mahnwache eingesprungen.

    Auch internationale Unterstützung ist möglich. Unter www.labourstartcampaigns.net kann man eine Petition für die gefeuerten Mitarbeiter der Uniklinik Maltepe unterzeichnen.

    Text: Jürgen Gottschlich

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