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  • Gleichstellung : Frauen gehört die Hälfte von allem

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Strukturelle Diskriminierung

Frauen gehört die Hälfte von allem

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in Sachen Gleichstellung einiges getan in Deutschland; Frauen haben kräftig aufgeholt, vor allem bei den Bildungsabschlüssen.

Wäre Qualifikation der Schlüssel, sie müssten längst überall zu finden sein: Frauen säßen auf der Hälfte der Führungsstellen in Politik und Wirtschaft, sie würden so selbstverständlich Vollzeit arbeiten wie Männer und auch genauso viel verdienen. Frauen wären nicht mehr stärker als Männer von Armut betroffen. Sie müssten ihre Erwerbstätigkeit nicht häufiger als Männer einschränken, um Kinder zu betreuen oder Alte zu pflegen. Sie würden überall mitbestimmen und genau wie Männer selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Kurz: Es gäbe keine sozialen Unterschiede zwischen den Geschlechtern mehr. Doch allen – hart erkämpften – Fortschritten zum Trotz sieht unsere gesellschaftliche Realität anders aus.

Vielfältige Ursachen, vielfache Benachteiligungen

ver.di kritisiert die Bedingungen, die dafür verantwortlich sind. Weil die Ursachen so vielfältig sind, spricht man von „struktureller Benachteiligung“. So begünstigen das deutsche Steuergesetz und ein rückständiges Familienbild die sogenannte Versorgerehe, bei der einer arbeitet und die andere bloß „dazuverdient“. Gleichzeitig fehlt es in Deutschland an flächendeckenden Angeboten zur Kinderbetreuung und an gut ausgestatteten Pflegestützpunkten. Die Zuständigkeit für Kinder und Alte übernehmen viele Frauen stattdessen privat und ohne Bezahlung. Auch deshalb ist knapp die Hälfte von ihnen teilzeiterwerbstätig – oft gegen ihren eigenen Willen und trotz des niedrigen Einkommens und der schlechten Aufstiegschancen, die damit einhergehen.

Weg von Versorgerehe und Minijobs

ver.di macht sich für eine Veränderung der politischen Rahmenbedingungen stark. Die Gewerkschaft fordert die Abschaffung des Ehegattensplittings und der Steuerklasse 5. Die damit verbundene hohe Abgabenlast für den Ehepartner mit dem geringen Einkommen verleitet besonders Frauen oft zur Annahme eines steuerfreien Mini- bzw. Aushilfsjobs – und das wird zunehmend von den Unternehmen ausgenutzt. Der Niedriglohnsektor ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen – Frauen im Dienstleistungsbereich sind davon besonders betroffen. So ist heute schon jede vierte Frau Minijobberin, viele arbeiten zu durchschnittlichen Stundenlöhnen von fünf Euro. Dabei kommt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zu dem Schluss, dass 400-Euro-Jobs für Beschäftigte fast immer eine Sackgasse darstellen: Die Betroffenen erwerben kaum Ansprüche auf soziale Sicherung, nur sehr selten gelingt ihnen der Übergang auf eine sozialversicherungspflichtige Teilzeit- oder Vollzeitstelle. Und das Einkommen, das sie als geringfügig Beschäftigte verdienen, reicht nicht aus, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
„Fair statt prekär“ lautet deshalb das Motto, unter dem sich ver.di für die Abschaffung der Minijobs, für tarifliche Löhne und die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns einsetzt. Denn nur mit sozialversicherungspflichtiger Arbeit lässt sich eine eigenständige Existenzsicherung für Frauen, auch im Alter, sicherstellen und gleichzeitig ein finanzielles Ausbluten der Solidarsysteme verhindern.

Her mit der gleichen Bezahlung

Gleichstellung heißt auch: gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Weil Frauen im Schnitt 23 Prozent weniger verdienen als Männer, macht ver.di sich für Entgeltgleichheit stark. Die Gewerkschaft fordert ein Gesetz, das Unternehmen verpflichtet, gleichwertige Tätigkeiten gleich zu honorieren – unabhängig davon, wer sie erbringt. So soll künftig verhindert werden, dass Arbeit, etwa im Gesundheits- und Sozialbereich, im Handel oder bei den Büroberufen, nur deshalb schlechter entlohnt wird, weil sie mehrheitlich von Frauen geleistet wird. ver.di setzt sich für diskriminierungsfreie Tarifverträge und für eine geschlechtergerechte Bewertung von Tätigkeiten ein. Dazu stellt die Gewerkschaft entsprechende Handlungshilfen und Infomaterialien bereit.

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