Gesundheit

    Für die Desinfektion der Hände keine Zeit

    Patienten in Gefahr

    Krankenhäuser

    Berlin, 12. September 2017 – Im Krankenhaus reicht die Zeit oft nicht einmal für das Nötigste: Immer mehr Patienten müssen in immer kürzerer Zeit von zu wenig Personal versorgt werden. Um das zu verdeutlichen, hat ver.di die Beschäftigten aufgerufen, am heutigen Tag die Desinfektion der Hände exakt so durchzuführen, wie es vorgeschrieben ist. Je nach Anzahl der zu versorgenden Patienten nehme das pro Schicht bis zu zwei Stunden in Anspruch. Die Händedesinfektion steht beispielhaft für all die Aufgaben, die aufgrund des Personalmangels nicht oder nur notdürftig erledigt werden können.

    ver.di-Tarifbewegung: ver.di fordert im Gesundheitsbereich mehr Entlastung Foto: dpa-Bildfunk Damit die Krankenhäuser kein Fall für die Notaufnahme werden, muss das Personal entlastet werden

    „Natürlich wissen die Beschäftigten, wie wichtig die Händedesinfektion für die Sicherheit der Patienten ist, und wie man richtig Hände desinfiziert. Aber im Alltag auf den Stationen ist es in der Regel nicht möglich, allen Anforderungen gerecht zu werden“, sagt Sylvia Bühler vom ver.di-Bundesvorstand. Dass die Zeit fehle, sei ein grundsätzliches Problem: „Wenn zu wenig Personal eingesetzt wird und zu wenig Zeit für die Erfüllung der notwendigen Aufgaben bleibt, befinden sich die Beschäftigten automatisch in einem Gewissenskonflikt: Sie müssen entscheiden, was sie weglassen. Das ist extrem belastend und macht oft sogar krank“, so Bühler.

    „Hier geht es nicht um individuelles Fehlverhalten, sondern um ein vorsätzliches Versagen von Arbeitgebern. Und die Politik hat zu lange weggeguckt. Das Übel muss an der Wurzel gepackt werden, mehr Personal muss her“

    Sylvia Bühler, ver.di-Bundesvorstand

    Bereits in den frühen Morgenstunden musste die Aktion in einigen Krankenhäusern abgebrochen werden, weil die Arbeitgeber nicht bereit waren, mehr Personal einzusetzen. In anderen Häusern drohen Arbeitgeber mit Repressionen, sollten sich die Beschäftigten an der Aktion beteiligen. Verweise von Arbeitgebern auf Hygieneschulungen, Hygienebeauftragte oder bedauerliche Einzelfälle bezeichnet Bühler als „heuchlerisch. Hier geht es nicht um individuelles Fehlverhalten, sondern um ein vorsätzliches Versagen von Arbeitgebern. Und die Politik hat zu lange weggeguckt. Das Übel muss an der Wurzel gepackt werden, mehr Personal muss her.“ Ausreichend Personal sei notwendige Voraussetzung für ein hygienisches Krankenhaus. „Die Verantwortlichen müssen sich der Tatsache stellen: Personalnot gefährdet Menschenleben.“

    Der Aktionstag ist eingebettet in die Bewegung für mehr Personal und Entlastung im Krankenhaus. Bundesweit fehlen in den Krankenhäusern 162.000 Stellen, davon allein 70.000 in der Pflege. Nachts ist eine Pflegekraft durchschnittlich allein für 26 Patienten verantwortlich. Da kann dann auch die Desinfektion der Hände mal ausbleiben oder nicht ausreichend erfolgen. ver.di fordert deshalb gesetzliche Vorgaben für die Personalausstattung in Krankenhäusern, die verbindlich, finanziert und bundesweit einheitlich sind.

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