Tarifrunde ÖD 2016

    „Natürlich geht es um mehr Geld“

    Auftakt zur 2. Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst

    Potsdam, 11. April 2016 – Zum Beginn der zweiten Verhandlungsrunde für die Beschäftigten von Bund und Kommunen sind mehr als 400 Aktive aus Berlin und Brandenburg und Sparkassenbeschäftigte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zum Verhandlungshotel nach Potsdam gekommen. Nachdem erste Warnstreiks, Aktionen wie aktive Mittagspausen und die Bustour der ver.di-Jugend überall in den Landesbezirken in den vergangenen Tagen schon gezeigt haben, worum es den Beschäftigten diesmal vor allem geht, wollen viele jetzt auch in Potsdam noch einmal klar machen, was sie von der Tarifrunde erwarten, wofür sie sich einsetzen.

    „Natürlich geht es um mehr Geld für unsere fast 15.000 Kolleginnen und Kollegen“, sagt Christiane Ehrmann, Krankenschwester in der Unfallchirurgie bei Vivantes, „aber genauso fordern wir, dass der Fachkräftemangel abgebaut wird.“ Maren Frank, Medizinisch-technische Assistentin, fügt hinzu: „Für uns ist wichtig, dass alle, die im Krankenhaus arbeiten, zusammengehören. Schluss mit den Ausgründungen und Befristungen!“   

    „Wir stehen hier für unsere Kolleginnen und Kollegen. Es geht aber nicht nur um mehr Geld. Viele Stellen in der Pflege sind unbesetzt, das muss sich ändern. Schluss mit den Ausgründungen und Befristungen!“

    Christiane Ehrmann, Krankenschwester im Berliner Vivantes-Klinikum

    Auch aus dem Landkreis Oberhavel in Brandenburg sind Beschäftigte nach Potsdam angereist, um sich hier laut und unübersehbar für den Erhalt ihrer Altervorsorge einzusetzen. Die dürfe nicht verschlechtert werden, sagt die 54jährige Erzieherin Karola Steger unter dem Beifall der Umstehenden. Viele ihrer Kolleginnen sind im selben Alter, aber auch für die Jüngeren sei es sehr wichtig, dass die Altersvorsorge nicht angetastet wird. Und Harald Nentwich vom Jobcenter der Stadt Gransee ergänzt: 6 Prozent mehr Gehalt, die Forderung gehe in Ordnung.

    Alle wissen, dass es heute noch keinen Durchbruch geben wird. Trotzdem ist die Stimmung gut an dem kühlen Morgen. Alle erwarten ein erstes Angebot der Arbeitgeber. Ein gutes natürlich, sonst werde es immer schwerer, Nachwuchs zu gewinnen, sagt Heinz-Herwig Mascher vom Kataster- und Vermessungsamt der Kreisverwaltung. „Uns gehen die Fachkräfte langsam flöten.“ Meister, Techniker, Ingenieure seien schon jetzt schwer zu kriegen. Umso wichtiger werde dieser Tarifabschluss sein.

    Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske kündigt vor den angereisten Beschäftigten an: „Wir erwarten ein Lohnangebot von der Arbeitgeberseite, über das wir in ernsthafte Verhandlungen eintreten können. Da sind wir bisher überhaupt nicht. Und dann muss klar sein – und das ist absolut unumstößlich – Eingriffe in die betriebliche Altersversorgung? Mit uns nicht!“ Auch die Ausbildungsbedingungen und die -vergütung müssten verbessert werden, um die Attraktivität der Ausbildung im öffentlichen Dienst zu erhöhen.

    Bsirske betont, dem Staat sei es noch nie so gut gegangen wie im letzten Jahr. „Wir haben einen Überschuss der öffentlichen Haushalte von 30 Milliarden Euro, 21 Milliarden allein beim Bund, bei den Kommunen 3,2 Milliarden Überschuss. Da soll es wohl möglich sein, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in den letzten Monaten stark gefordert gewesen sind, auch wegen des starken Flüchtlingszustroms, eine deutliche Reallohnerhöhung bekommen. Die wir auch brauchen, um den Abstand auf die Tariflohnentwicklung in der Gesamtwirtschaft zu verkleinern.“

    Mehr als 400 Aktive vor dem Verhandlungsbeginn am 11. April ver.di Vor dem Verhandlungsbeginn in Potsdam  – Mehr als 400 Aktive am 11. April