Tarifrunde ÖD 2016

    3. Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst

    Der Nachwuchs will nicht baden gehen

    Potsdam, 28. April 2016 | „Ohne ver.di wär hier gar nichts los!“ Schon von weitem ist der Zug der ver.di Jugend am Morgen in Potsdam zu hören. Mehr als 300 junge Menschen aus Hannover, Köln, Dortmund, Lübeck, Berlin und anderen Städten ziehen zum Beginn der dritten Verhandlungsrunde in dieser Tarifauseinandersetzung vor das Tagungshotel. „Dreist“, wie auf vielen Transparenten zu lesen ist, wollen sie sein. Das behaupten die Arbeitgeber sowieso immer von ihnen. Um 100 Euro mehr geht es ihnen, um 30 Tage Urlaub, um die Übernahme nach dem Abschluss der Ausbildung. Aber auch um die Sicherung der betrieblichen Zusatzversorgung.


    Alle Forderungen haben Jessica Lüders und Ramona Heimberg vom ver.di-Bezirk Hannover/Leine-Weser in witzige Reime gepackt, die sie vor dem Tagungshotel in einem Poetry Slam vortragen. Die Verwaltungsfachwirtin und die Wirtschaftsinformatikerin an der Landeshauptstadt Hannover sind mit ihren Versen auch schon auf der ver.di-Kundgebung während der zweiten Warnstreikwelle in Hannover aufgetreten. „Das ist mal eine andere Art der Rede“, sagt Ramona, deren Idee das war. Anhaltender Applaus gibt ihnen recht. Jessica, die auch für die ver.di Jugend in der Bundestarifkommission ist, hat die Azubis in ihrem Betrieb gefragt und erfahren, dass für viele neben der Erhöhung der Vergütung die Forderung nach 30 Tagen Urlaub besonders wichtig ist. Die beiden jungen Frauen sind guter Stimmung, sie erwarten für den heutigen Tag endlich ein akzeptables Angebot der Arbeitgeber.

    „Es ist wunderbar, dass ihr hier seid“, sagt der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske den jungen ver.dianer/innen vor dem Hotel. Er sei vom Einsatz der jungen Leute in dieser Tarifrunde begeistert. „Wir brauchen junge Kollegen im öffentlichen Dienst! Ihr werdet gebraucht! Wenn ihr die Übernahme fordert – richtig so!“ Er gehe jetzt in die Verhandlungen – „mit Rückenwind von euch!“

    „Wie die Arbeitgeber bisher agieren, das hat keine Perspektive. Wir brauchen jetzt ein gutes Angebot!“

    Jessica Lüders, Jugend-und Auszubildendenvertreterin bei der Landeshauptstadt Hannover

    Gegen Mittag versammeln sich die jungen ver.dianer/innen am Ufer des Templiner Sees zur einer ganz besonderen Aktion: Eine Gruppe von jungen Leuten kommt auf einem Floß über den See und springt schließlich mutig ins eisigkalte Wasser – weil der Nachwuchs baden geht. „Was wir nicht wollen“, sagt die Hebamme Madlen Gehrisch aus der Jugend- und Auszubildendenvertretung, JAV, des Berliner Vivantes-Klinikums. Für sie und ihre jungen Kolleginnen und Kollegen ist die Übernahme nach der Ausbildung eine zentrale Forderung. Der Personalabbau führe zu Überforderung und Dauerstress.

    Aktion der ver.di Jugend vor Beginn der dritten Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst Kay Herschelmann Der Nachwuchs geht baden  – Aktion der ver.di Jugend vor Beginn der dritten Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst


    „Mit einem einfachen ,Weiter so' geht der Nachwuchs im öffentlichen Dienst baden“, hallt es aus einem Megaphon über den See. Deshalb fordert die ver.di Jugend eine bessere Ausbildungsqualität, eine Vergütung, die zum Leben reicht und die Übernahme der Azubis nach dem Abschluss. „Dafür werden wir unbequem!“ Mehrere tausend junge Leute haben das in den vergangenen Wochen bei ver.di-Warnstreiks und -Aktionen bereits gezeigt.