Amazon

    Unterschriften gegen Tarifverhandlungen

    Dubiose Aktion bei Amazon

    Bei Amazon werden Unterschriften gesammelt, mit denen sich Beschäftigte gegen ver.di aussprechen. Rund 1000 sollen mittlerweile zusammengekommen sein, überwiegend an den beiden Streikstandorten Leipzig und Bad Hersfeld. Sie distanzieren sich damit „von den derzeitigen Zielen, Argumenten und Äußerungen der ver.di, die in der Öffentlichkeit über Amazon und damit über uns verbreitet werden“, heißt es in dem Aufruf. Angeblich ist er allein von Beschäftigten getragen, doch im Umfeld der Aktion gibt es Hinweise, dass das Management die Aktion unterstützt.

    So seien in Leipzig, wo allein zwei Drittel der Unterschriften gesammelt worden sind, Unterschriften unter Aufsicht des Managements eingeholt worden, weiß der für den Standort zuständige ver.di-Sekretär Thomas Schneider. Betriebsräte und Vertrauensleute hätten ihm auch berichtet, dass Unterschriftenlisten an der Rezeption ausgelegt worden seien - normalerweise werde es nicht geduldet, dass dort Material ausliege. Hinzu komme, dass viele Saisonbeschäftigte auf den Listen zu finden seien, die mittlerweile gar nicht mehr im Unternehmen beschäftigt seien. Für sie war die Unterschrift wohl auch mit der Hoffnung auf eine Festanstellung verknüpft.

    Kolleg/innen stellen die Forderungen auf

    Schneider findet es auch auffällig, dass sich die Initiatoren der Unterschriftenaktion die Argumentation des Managements zu eigen machen. Die lautet, man könne mit betrieblichen Interessenvertretungen über die Arbeitsbedingungen reden, wolle Dritte wie ver.di aber aus dem Betrieb heraushalten. „Das bedeutet jedoch, dass sie die 700 Kollegen, die allein in Leipzig bei ver.di organisiert sind, auch nicht haben wollen", sagt Schneider. Denn die Forderungen, über die ver.di mit der Geschäftsführung verhandeln und sie in einem Tarifvertrag absichern will, werden von den Kolleg/innen im Betrieb aufgestellt und nicht von der Gewerkschaft diktiert.

    Vieles wurde schon bewegt

    Die ver.di-Mitglieder unter den Beschäftigten setzen sich dafür ein, dass für sie der Tarifvertrag des Einzelhandels gelten soll. Dafür haben sie zuletzt auch in der Vorweihnachtszeit an drei von acht bundesweiten Standorten des Versandhändlers gestreikt. Das gewerkschaftliche Engagement hat den Beschäftigten schon einige Verbesserungen gebracht. Dafür hat Thomas Schneider am Standort Leipzig eine Reihe von Beispielen: Lohnerhöhungen seien nicht nötig, hieß es lange bei Amazon. Seit 2010 aber stiegen die Stundenlöhne doch von 7,76 auf 9,55 Euro. Weihnachtsgeld gibt es nicht, hieß es noch Anfang 2013. Im September wurde bekannt, dass Amazon je nach Tätigkeit zwischen 400 und 600 Euro zahlt. Mitbestimmung wurde lange abgelehnt, mittlerweile gibt es an sieben von acht Standorten Betriebsräte. Der achte in Brieselang bei Berlin wurde erst vor Weihnachten eröffnet. Auch hier soll bald eine Interessenvertretung gewählt werden.

     

    „Wenn wir uns bewegen, bewegt sich Amazon, ist die Erfahrung, die viele Beschäftigte gemacht haben."

    Thomas Schneider, ver.di-Sekretär am Amazon-Standort Leipzig

    „Wenn wir uns bewegen, bewegt sich Amazon, ist die Erfahrung, die viele Beschäftigte gemacht haben", sagte Schneider. Die ver.di-Aktiven wollten gute Arbeitsbedingungen. Der Versuch, mit der Unterschriftenaktion die Belegschaft zu spalten in einen Teil, der für Amazon sei, und einen, der dagegen sei, widerspreche den Tatsachen. Zur Zeit halten die Aktiven am Standort Leipzig mit persönlichen Gesprächen gegen diesen Versuch.

    Dialog mit den Unterzeichner/innen

    ver.di will nicht von den Forderungen für die Beschäftigten zurücktreten, sondern daran festhalten, für die Beschäftigten und gemeinsam mit ihnen eine Tarifbindung zu erreichen. Damit können die Arbeitsplätze sicher und die Arbeitsbedingungen besser werden. Auch wird über den Tarifvertrag Urlaubs- und Weihnachtsgeld festgeschrieben. Ulrich Dalibor, der bei ver.di den Bundesfachbereich Einzelhandel leitet, forderte die Unterzeichner/innen zu einem Dialog auf. Dass jemand keinen Tarivertrag und keine Tariferhöhungen wolle, komme sehr selten vor.