Geld & Tarif

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    Edeka erfolgreich ausgebloggt

    Sie haben geschafft, wovon viele träumen: Sascha Tietz und seine Kolleg/innen aus vier Edeka-Märkten in Wolfsburg haben ihren eigenen Chef entlassen. Hohe Krankenstände, unzählige Überstunden, marode Filialen und schlechte Arbeitsbedingungen. Dagegen haben sich die Beschäftigten aus vier privatisierten Edeka-Filialen erfolgreich gewehrt. Jetzt werden sie nach Tarif bezahlt.

    Wir lieben Personal – Edeka DPA Bildfunk Wir lieben Personal  – Wir lieben Personal


    Im Herbst 2011 gründeten sie einen Betriebsrat und ein Jahr später startete die Belegschaft gemeinsam mit der ver.di-Sekretärin Katharina Wesenick eine innovative Kampagne gegen Friedel Grimmann, den Chef der vier privatisierten Wolfsburger Edeka-Filialen. Besonders die von den Beschäftigten ins Leben gerufene Kundenpetition für bessere Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzsicherung machte Eindruck bei Edeka. Seit dem 2. April gehören die vier Märkte jetzt wieder zur Konzern-Zentrale Minden-Hannover. Und die 230 Beschäftigten erhalten bis zu 30 Prozent mehr Gehalt. „Bei einer unserer Kolleginnen ist der Stundenlohn von 9,65 Euro auf 13,79 Euro gestiegen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Sascha Tietz nicht ohne Stolz.

    „Ich hoffe, dass jetzt auch in anderen privatisierten Edeka-Märkten mehr Betriebsräte gewählt werden.“

    Sascha Tietz, Edeka-Beschäftigter und Betriebsratsvorsitzender

    Stolz können die Wolfsburger auf ihren Erfolg auch tatsächlich sein. Denn Edeka gliedert systematisch Filialen durch sogenannte „Privatisierungen“ an selbstständige Einzelhändler aus. Mehr als 80 Prozent der Edeka-Märkte mit über 140.000 Beschäftigten sind schon privatisiert. Und diese Vertriebsstrategie hat fatale Folgen für die Belegschaften. Während die Konzernzentrale Tariflöhne zahlt, befinden sich die Arbeitsbedingungen schnell in einer Abwärtsspirale, sobald private Kaufleute einen Edeka-Markt übernehmen. Der Privatisierung folgen Tarifflucht, Dumpinglöhne und die Ausbreitung von geringfügiger Beschäftigung. In knapp 90 Prozent der privatisierten Märkte existiert kein Betriebsrat und die Mitbestimmung wird klein geschrieben.

    Die Wolfsburger Erfolgsgeschichte wurde auch durch die neuen Medien vorangetrieben. Im Januar 2013 ging der Blog www.edekannsbesser.de online, Prominente wurden bei der Aktion „Gesicht zeigen“ als Paten für die gute Sache geworben, zahlreiche Medienberichte folgten. Unter dem Druck der Öffentlichkeit übernahm die Edeka-Zentrale die unrentablen Filialen, kündigte allerdings an die vier Märkte erneut zu privatisieren, sobald sie wieder existenzfähig sind. Sascha Tietz beunruhigt das nicht allzu sehr. Denn er weiß inzwischen, was ein Betriebsrat leisten kann. Die Wolfsburger werden ihre einmal erreichten sozialen Standards verteidigen. „Ich hoffe, dass jetzt auch in anderen privatisierten Edeka-Märkten mehr Betriebsräte gewählt werden.“

    Text: Maren Skambraks

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