Geld & Tarif

    Das Ergebnis der Insolvenz

    Frankfurter Rundschau in Leiharbeit

    „Wir sind mit einem Tritt auf die Straße gesetzt worden und bekommen nicht mal ein Almosen“, stellte Marcel Bathis im Interview mit dem Medienmagazin ZAPP verbittert fest. Bathis ist Betriebsratsvorsitzender des insolventen Druck- und Verlagshauses Frankfurt (DuV), zu dem die Frankfurter Rundschau (FR), die Druckerei in Neu-Isenburg und mehrere Tochterunternehmen gehörten. Die Druckerei wird geschlossen, die FR ist verkauft, mehr als 400 Beschäftigten wurde gekündigt. Sie konnten in eine Transfergesellschaft wechseln, die allerdings nur für sechs Monate eingerichtet wurde. Die Altgesellschafter DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding ddvg waren nicht bereit, eine Transfergesellschaft für zwölf Monate zu ermöglichen.

    Das Ende: Über 400 Beschäftigte müssen gehen bei der Frankfurter Rundschau DDP Images/DAPD Das Ende: Über 400 Beschäftigte müssen gehen bei der Frankfurter Rundschau  – Das Ende: Über 400 Beschäftigte müssen gehen bei der Frankfurter Rundschau


    Ebenso haben sie es abgelehnt, die Abfindungen nach dem Insolvenz-Sozialplan vorzufinanzieren, die ohnehin im Schnitt nur 500 Euro pro Beschäftigungsjahr betragen. Die Beschäftigten werden dieses Geld erst in einigen Jahren erhalten. Wer dann bereits Hartz IV bezieht, hat davon nichts, es wird komplett angerechnet. „Damit würden dann ausgerechnet diejenigen noch einmal bestraft, die wegen ihres Alters oder fehlender Arbeitsplätze in der Druckindustrie keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben“, befürchtet Manfred Moos, Landesfachbereichsleiter Medien bei ver.di Hessen.

    ver.di und der Betriebsrat hatten von der SPD-Medienholding ddvg und DuMont Schauberg gefordert, die Abfindungen vorzufinanzieren. Die Beschäftigten hätten ihre Ansprüche an die Altgesellschafter abgetreten. Doch diese lehnten ab, obwohl die SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks in den Verhandlungen mit ver.di und dem Betriebsrat versichert hatte, dass sie im Prinzip einen schuldenfreien Betrieb hinterlassen. Sie sei optimistisch, dass nach Abschluss des Insolvenzverfahrens genügend Masse für die Abfindungen übrig bleibe. Marcel Bathis bezeichnete dies als „Hartleibigkeit“, die er so nicht erwartet hätte.

    „Damit wäre die Zahl der Leiharbeitnehmer höher, als die der Stammbelegschaft.“

    Manfred Moos, Landesfachbereichsleiter Medien bei ver.di Hessen

    Übernommen wurden nur 28 Beschäftigte der FR-Redaktion von der neugegründeten Frankfurter Rundschau GmbH. Geplant ist, die Zusammenarbeit mit der Leiharbeitsfirma Pressedienst Frankfurt (PDF) auszubauen. Hier wurden in der Vergangenheit Pauschalisten, aber auch ehemalige FR-Volontäre eingestellt. Sie werden deutlich unter Tarif bezahlt. Bisher hat die PDF 28 Redakteurinnen und Redakteure, hier sind Einstellungen geplant, ihre Zahl soll auf 40 wachsen. „Damit wäre die Zahl der Leiharbeitnehmer höher, als die der Stammbelegschaft“, stellt Manfred Moos fest.

    Auch bei der Berliner Zeitung Stellen bedroht

    Für mindestens drei Monate sollen die Mantelseiten weiterhin von den Redaktionsgemeinschaften mit der Berliner Zeitung geliefert werden. Bisher arbeiten 46 Beschäftigte in den Redaktionsgemeinschaften, aber auch direkt bei der Berliner Zeitung. In der kommenden Woche will sie die Geschäftsführung des Berliner Verlags informieren, wie es nach Ablauf der Frist weitergeht. „Bisher haben wir keine Informationen“, sagt Renate Gensch, Betriebsratsvorsitzende des Berliner Verlags. Wenn die Zusammenarbeit mit der FR beendet wird, befürchtet sie, dass auch diese Beschäftigten entlassen werden.

    Besonders bitter ist die Schließung der Druckerei für die Beschäftigten. Der Betrieb schrieb schwarze Zahlen. Im Januar hatte der Axel Springer Verlag seine Druckaufträge gekündigt. Springer begründete den Schritt mit der unklaren Zukunft der Druckerei. Rund die Hälfte des Umsatzes fiel dadurch weg, neue Eigentümer konnten nicht gefunden werden. Einen Teil der Druckaufträge erhielt die Frankfurter Societäts-Druckerei, die dem neuen Hauptgesellschafter gehört.   

    Seit November befand sich das Druck- und Verlagshaus Frankfurt (DuV) mit mehreren Tochtergesellschaften in der Insolvenz. Bis Ende Februar waren die Altgesellschafter DuMont Schauberg (50 Prozent) und die SPD-Medienholding ddvg (40 Prozent) bereit, die Löhne und Gehälter zu garantieren. Seit dem 1. März gehört das Blatt der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH (35 Prozent) und der Frankfurter Societät GmbH (55 Prozent). Beide sind im Besitz der Fazit-Stiftung, der auch die Tageszeitung Frankfurter Neue Presse gehört. Erst am 27. Februar, kurz vor Ablauf der Frist, stimmte das Bundeskartellamt dem Kauf durch die neuen Eigentümer zu.

    An der neu gegründeten Frankfurter Rundschau GmbH soll die Karl-Gerold-Stiftung, wie bisher auch, zehn Prozent halten. Karl Gerold war Verleger, Herausgeber und Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. Die Stiftung wurde nach seinem Tod gegründet. Er hatte festgelegt, dass die FR eine unabhängige, politisch engagierte, links-liberale Tageszeitung bleibt. Die neuen Eigentümer haben versichert, dass das Blatt in diesem Sinne weitergeführt wird. Mit einer komplett gestutzten Redaktion ist das ein vollmundiges Versprechen.

    Text: Silke Leuckfeld

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