Geld & Tarif

    Mobbing im Betrieb

    S-Direkt: Der Kampf geht weiter

    Geschäftsführung benachteiligt Streikende

    Der Streik der Beschäftigten des Sparkassencallcenters S-Direkt in Halle/Saale war einer der längsten in der deutschen Geschichte. Nach 126 Tagen harter Auseinandersetzungen haben die Beschäftigten Anfang November 2012 erreicht, dass ihre Stundenlöhne von 7,38 Euro auf mindestens 8,50 Euro angehoben werden. Gleichzeitig wurden Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen festgelegt, mehr Urlaub und auch eine Sonderzahlung nur für Streikende in Höhe von 250 Euro. Doch für die Umsetzung des Erreichten müssen die Beschäftigten jetzt wieder kämpfen.


    „Anstatt den Tarifvertrag mit allen Beteiligten umzusetzen, wird massiv dagegen gearbeitet", heißt es in einem Schreiben der ver.di-Tarifkommission. Die ehemals Streikenden sehen sich massivem Mobbing ausgesetzt. Insbesondere Mitarbeiter/innen, die im Streik Verantwortung übernommen haben, seien betroffen.

    Von den Aufgaben entbunden

     „Teilweise wurden Mitarbeiter komplett von ihren Aufgaben entbunden, mussten Büroschlüssel und alle Rechte bezüglich ihrer Tätigkeit abgeben und wurden versetzt. Als Angabe wird immer interne Optimierung angegeben, dass diese Optimierungsmaßnahmen nur ehemals Streikende betreffen ist wieder reiner Zufall. Einigen Mitarbeitern, die gestreikt haben, wird der Urlaub verweigert mit der Anmerkung, dass sie für die Umsetzung des Tarifvertrages verantwortlich sind und sie auf Grund des Mehraufwandes keinen Urlaub erhalten können. Viele Mitarbeiter wurden von ihren ursprünglichen Arbeitsplätzen versetzt, wurden ihrer Zusatzfunktionen entbunden und weiteren Schikanen ausgesetzt. Einige Mitarbeiter haben bereits gekündigt, weil sie diese Arbeitsumgebung nicht mehr aushalten, sehr viele sind krank", beschreibt die Tarifkommission die Situation.

    „Obwohl alle Punkte im Tarifvertrag geregelt sind, ist die Umsetzung im Unternehmen sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich.“

    Aus einem Schreiben der ver.di-Tarifkommission bei S-Direkt

    Sie beklagt eine Unternehmenskultur, die „die Streikbrecher belohnt und die ehemals Streikenden mobbt. Mehr Gehalt, Sonderzahlungen, eine 5-Tage-Woche, gerechte Behandlung der Überstunden, flexible Elternschichten, alles ist im Tarifvertrag geregelt, aber umgesetzt wird es nur für die Mitarbeiter, die nicht gestreikt haben". Auch auf ihre 250 Euro netto, die für die Streikenden bis zum 1. Dezember 2012 vereinbart worden sind, warten die ehemals Streikenden bis heute vergeblich.

    Für einen entsprechenden Zahlungslauf sieht die Geschäftsführung nach Angaben der Tarifkommission keine Veranlassung, so dass die Summe wohl frühstens Ende Dezember ausgezahlt wird. Nur Mitarbeiter/innen, die sich nicht an dem Streik beteiligt haben, wurde eine solche Summe auf freiwilliger Basis bereits mit dem Novembergehalt brutto ausgezahlt. Den ehemals Streikenden bleibt nur, ihre Benachteiligung zu dokumentieren und ihre Ansprüche rechtlich durchzusetzen, für ver.di-Mitglieder mit Unterstützung des ver.di-Rechtsschutzes.

     Schließlich wurde im Tarifvertrag ein sogenanntes Maßregelungsverbot vereinbart. Danach dürfen Streikenden keine Nachteile wegen ihrer Teilnahme am Arbeitskampf entstehen. Wenn sich die Geschäftsführung nicht ändert (wie auch immer das aussehen mag), wird dieser Tarifvertrag nicht das Papier wert sein, auf dem er gedruckt ist. Wie der Slogan der Sparkasse: Menschlich, Fair und Nah“, kritisiert die Tarifkommission.

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