Bildung & Ausbildung

    Gleiche Bildungschancen für alle

    Bildungspolitik

    Gleiche Bildungschancen für alle

    Gleiche Bildungschancen für alle Foto: Röttgers/Graffiti Gleiche Bildungschancen

    Fast nirgendwo sonst hängen soziale Herkunft und Bildungserfolg so eng zusammen wie in Deutschland.

    Wer aus wohlhabenden Verhältnissen stammt und Eltern mit akademischem Abschluss hat, wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch selbst studieren. Dagegen haben es Kinder und Jugendliche aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern schwer, eine höhere Schule zu besuchen. An Universitäten sind sie absolut unterrepräsentiert. Das ist spätestens seit dem PISA-Schock im Jahr 2000 bekannt – doch geändert hat sich bisher kaum etwas.
    ver.di setzt sich für ein Schulsystem ein, in dem Kinder und Jugendliche bis zum 16. Lebensjahr gemeinsam lernen, so wie es in erfolgreichen Bildungsnationen wie Finnland der Fall ist. Darüber hinaus muss auch das Hochschulsystem viel durchlässiger werden und flexible Angebote bereithalten, um viele verschiedene Wege zu höherer Bildung zu ermöglichen.

    Durchlässigkeit erhöhen

    Tatsächlich ist das deutsche Bildungssystem bisher ausgesprochen undurchlässig. Während es in den meisten anderen Ländern möglich ist, auf unterschiedlichen Wegen den Campus zu erreichen, sitzen in Deutschland fast ausschließlich Abiturienten in den Hörsälen. Nur gut ein Prozent haben hierzulande ihre Studienberechtigung durch berufliche Qualifikationen erworben – in Großbritannien sind es dagegen etwa 15 Prozent.
    Eine entscheidende Zugangshürde in Deutschland ist die Forderung nach formaler Vergleichbarkeit der mitgebrachten Voraussetzungen. Dagegen erkennt beispielsweise Schweden Kompetenzen an, die auf ganz unterschiedliche Weise erworben wurden. Weil dort die Durchlässigkeit des Bildungssystems ein politisches Ziel ist, sind in dem skandinavischen Land auch Teilzeitstudienangebote selbstverständlich – anders als in Deutschland.

    Grundfinanzierung statt blinkende Leuchttürme

    Außerdem ist das deutsche Bildungssystem deutlich unterfinanziert. Allen Lippenbekenntnissen von Politikern und Wirtschaftskapitänen zum Trotz wird weiter daran gespart. Während andere Industrienationen im Durchschnitt 5,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Kitas, Schulen, Universitäten und Qualifizierung ausgeben, sind es in Deutschland inzwischen nur noch mickrige 4,7 Prozent; Anfang des Jahrtausends waren es immerhin noch 5,3 Prozent.
    Zusätzliche Finanzmittel macht der Staat fast nur noch für Sonderprogramme wie die sogenannte Exzellenzinitiative an Hochschulen locker. Das fördert keine Kontinuität, sondern befeuert einen Wettbewerb um Spitzenleistungen. Derweil wird die Basis der Grundfinanzierung immer schmaler. Erneut profitiert vor allem eine kleine Elite, während die Ausbildung in der Breite vernachlässigt wird. Ein solches Bildungssystem ist nicht nur extrem ungerecht, sondern auch volkswirtschaftlich unsinnig: Gerade eine bildungsbasierte Wirtschaft wie die deutsche ist auf viele, gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen.
    ver.di setzt sich daher für eine dauerhafte, ausreichende Grundfinanzierung des Bildungswesens ein. Die Fixierung auf Leuchtturm- und Sonderprogramme soll unterbleiben.

    Bildung ist keine Ware

    ver.di setzt sich für ein Bildungskonzept ein, das freies Denken, soziale Kompetenz und Selbstbestimmung fördert. Bildung ist ein umfassender Prozess – und keine Ware. Sie darf nicht reduziert werden auf die wirtschaftliche Verwertung von Wissen. Doch genau das geschieht zunehmend. In den vergangenen Jahren haben Unternehmen sowohl finanziell als auch inhaltlich massiv an Einfluss auf das Bildungssystem gewonnen. Das geschieht beispielsweise über Rankings oder Leistungserhebungen an Schulen, die im Hause Bertelsmann erarbeitet wurden. Auch Universitäten drohen zu Dienstleistungsunternehmen am Wissenschaftsmarkt zu verkommen, wenn Konzerne über die Berufung von Professuren mitentscheiden.

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