Arbeit

    Erstinformation und Hotline für ver.di-Mitglieder

    8.200 Beschäftigte bei Air Berlin stehen vor einer ungewissen Zukunft

    Mitte August hatte die Fluggesellschaft Air Berlin Insolvenz angemeldet. Es wurde ein Gläubigerausschuss gebildet. Die Bundesregierung stützt das Insolvenzverfahren mit Finanzzusagen. Der Flugbetrieb geht vorerst weiter. Kaufinteressenten haben sich in die Gespräche eingebracht, darunter Lufthansa und Easyjet. Die Entscheidung aber, wer welche Teile bekommt, wurde nun auf nach der Bundestagswahl verschoben, was ver.di kritisiert, denn die Beschäftigten wollen endlich wissen, was aus ihren Arbeitsplätzen wird. Sie sind in Sorge, wie es weitergeht. Der DGB stellt in einer FAQ-Liste klar: Wenn das Unternehmen übernommen wird, muss der neue Arbeitgeber das Personal weiterbeschäftigen. Sollte es dennoch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen, müssen die betrieblichen Gründe für den Wegfall des Arbeitsplatzes dargelegt werden. Diese Einzelheiten werden dann in einem Interessenausgleich- und Sozialplan geregelt.

    ver.di informiert ihre Mitglieder bei Air Berlin per Mail-Hotline Foto: dpa Bildfunk Der Flugbetrieb geht trotz Insolvenz weiter. ver.di informiert ihre Mitglieder bei Air Berlin per Mail-Hotline

    ver.di setzt alles daran, die Arbeitsplätze zu erhalten. Es dürfe nicht nur um Geld und Maschinen gehen, sondern im Gläubigerausschuss müssten auch die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt werden, fordert ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Sie hat an Gläubiger und Kaufinteressenten appelliert, sich der sozialen Verantwortung zu stellen und die Beschäftigten von Air Berlin zu fairen Konditionen zu übernehmen. Auch die Bundesregierung stehe in der Verantwortung, Druck auf die Verhandlungspartner auszuüben, damit die Air Berlin-Beschäftigten eine Zukunftsperspektive erhalten. „Die 150-Millionen-Bürgschaft aus öffentlichen Finanztöpfen muss auch an soziale Bedingungen geknüpft werden“, sagt Behle.

    Kritik übt Behle im Zusammenhang mit dem drohenden Aus für die zweitgrößte deutsche Fluglinie auch an der liberalen Wirtschaftspolitik der EU-Kommission. Sie habe „anscheinend kein Interesse an Fluglinien (...), die tarifliche und faire Entlohnungs- und Arbeitsbedingungen gewährleisten“, so die Gewerkschafterin. Der ruinöse Wettbewerb auf Kosten von Löhnen und Arbeitsbedingungen sei eine Ursache der Fehlentwicklungen, die den Erfolg und die Akzeptanz eines gemeinsamen Europas in Frage stellten.

    Die Gewerkschafterin hält es für nicht hinnehmbar, wenn Auftragsvergaben ohne qualitative Vergabekriterien erfolgen, und Flugzeuge beispielsweise Briefkastenfirmen zugeordnet werden, um Steuervorteile zu generieren. Problematisch sei auch, dass beispielsweise belgische Crews mit irischen Verträgen, zu irischen Arbeits- und Entlohnungsbedingungen in Belgien fliegen. „Die EU muss von ihrer Politik der rücksichtslosen Liberalisierung und Deregulierung abrücken und stattdessen die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Beschäftigten in den Mittelpunkt stellen“, so Behle.

    In der aktuellen Situation hat die ver.di-Tarifkommission Kabine an die Beschäftigten appelliert, weiterhin professionell ihre Arbeit zu machen und aktiv dazu beizutragen, den Flugbetrieb am Laufen zu halten. Trotzdem bleiben Unsicherheit und Sorgen um die Zukunft bestehen. Wer kauft Teile des Unternehmens? Wer wird übernommen? ver.di hat Air Berlin zu Tarifverhandlungen zu einem Sozialtarifvertrag aufgefordert, um einen fairen Übergang zu schaffen, Arbeitsplätze zu retten, auch in Verwaltung und Technik, die Übernahmebedingungen zu regeln, Mantel- und Entgelttarifbedingungen festzuschreiben und soziale Standards zu schaffen.

    Aktuelle Hilfe

    Um die drängendsten Fragen der Beschäftigten zu beantworten, hat ver.di zusammen mit dem DGB-Rechtsschutz eine E-Mail-Hotline für die ver.di-Mitglieder bei Air Berlin eingerichtet. Sie kann unter airberlin@dgbrechtsschutz.de angeschrieben werden. Dabei bitte den zuständigen ver.di-Bezirk und die Mitgliedsnummer angeben!

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